2023 hat mal wieder mit einer Gesetzesnovelle begonnen – und zwar mit der aus energiepolitischer Sicht wohl größten seit Jahrzehnten. Die Rede ist vom EEG 2023. Seit dem 1. Januar 2023 gilt das überarbeitete Gesetz und stellt Betreiber von Biomethananlagen vor neue Herausforderungen. Denn mit den neuen Zielen zum Klimaschutz gelten auch neue Vorgaben für Biomethan-BHKW. Welche das sind, welche Auswirkungen die EEG-Novelle 2023 für Anlagenbetreiber hat und was Sie für die Förderung Ihrer Anlagen unbedingt berücksichtigen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Ziele und Vorgaben – das EEG 2023 auf einen Blick
Deutschland soll klimaneutral werden, und das bis 2045. So legen es die Änderungen der Bundesregierung im Klimaschutzgesetz fest. Das hat vielfältige Folgen, die auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) betreffen. Denn das EEG beinhaltet die Grundlagen dafür, dass Deutschland seine ambitionierten Klimaziele einhalten kann, indem es alle Ziele für den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten deutschen Stromverbrauch definiert. Mit der Novelle des EEG 2023 soll der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt und ihr Anteil am Bruttostromverbrauch deutlich erhöht werden. Eine weitere Anpassung ist, dass das EEG 2023 erstmalig konsequent auf das Erreichen des 1,5-Grad-Zieles ausgerichtet ist, das im Pariser Klimaschutzabkommen festgelegt ist.
Dabei fokussiert sich die EEG-Novelle 2023 auf sämtliche Forderungen, die bis zu den Jahren 2030 und 2045 umgesetzt sein sollen. Außerdem legt das EEG 2023 Ausbaupfade für die einzelnen erneuerbaren Energien fest.
Im Folgenden wollen wir auf die Änderungen im EEG eingehen, welche die Biomethanausschreibung betreffen. Dieses 2021 eingeführte Ausschreibungssegment erfuhr nach gerade einmal zwei Jahren und zwei Ausschreibungsterminen eine Novellierung.
Hierbei wurden insbesondere die folgenden Anpassungen vorgenommen:
- Erhöhung der Ausschreibungsmengen
- Anpassung der Ausschreibungstermine
- Weitere Absenkung des „Maisdeckels“ (stufenweise auf 30 % bis 2026)
- Absenkung der Höchstbemessungsleistung auf 10 % der installierten Leistung
- Einführung des „H2-ready“-Kriteriums
- Erhöhung des Vergütungshöchstwerts auf 19,31 ct/kWh (2023, danach jährliche Degression 1 %)
Das gilt für Biomethananlagen im EEG 2023
Betreiber von Biomethananlagen und solche, die es werden möchten, finden im EEG 2023 etliche Informationen, Regelungen und Vorschriften für die Errichtung und den Betrieb solcher Anlagen auf einen Blick. Mit der EEG-Novelle 2023 haben sich in diesem Zusammenhang einige Aspekte geändert. Welche Regelungen das EEG 2023 für Biomethan neu festgesetzt hat und was Sie als (angehender) Anlagenbetreiber seit 2023 unbedingt beachten sollten, finden Sie in der folgenden Übersicht:
1. Neue Ausschreibungsvolumina und Förderbedingungen
Während das EEG 2023 für das Biomassevolumen ab 2024 eine schrittweise Absenkung vorsah, steigt das Ausschreibungsvolumen für Biomethananlagen: Es beträgt von 2023 bis 2028 jeweils 600 MWel pro Jahr. Die Ausschreibungen für Biomethananlagen finden jeweils zum 1. April sowie zum 1. September statt. Hinzu kommt, dass Biomethan im EEG 2023 nicht mehr in der Biomasseausschreibung, sondern nur noch in der Biomethanausschreibung förderfähig ist.
2. H2-Readiness
Mit dem EEG 2023 gilt nicht nur die Vorgabe, dass in Zukunft nur noch Neuanlagen an Biomethanausschreibungen teilnehmen können. Es gilt auch, dass Biomethananlagen mit einer installierten Leistung von mehr als 10 MWel, die nach dem 30. Juni 2023 genehmigt wurden, ab dem 1. Januar 2028 „H2-ready“ sein, also auf die Stromerzeugung auf Basis von Wasserstoff umrüstbar sein müssen.
3. Hochflexible „Peaker“-Anlagen
Durch die weitere Absenkung der Höchstbemessungsleistung von 15 % auf 10 % der installierten Leistung wird deutlich, wie der zukünftige Einsatz solcher Anlagen im Energiesystem gesehen wird. Als hochflexible Erzeuger sollen diese „Peaker“-Anlagen die Residuallast decken.
Wieso sollten Sie Biomethan überhaupt nutzen und was ist das eigentlich?
Generell entsteht Biogas bei der natürlichen, anaeroben Zersetzung von organischem Material. Auf diese Weise bildet sich ein energiereiches Gasgemisch, das Biogas. Dieses lässt sich in Strom, Wärme oder Kraftstoff umwandeln. Damit sich das Biogas zum Beispiel als Alternative zu Erdgas oder anderen fossilen Brennstoffen nutzen lässt, gilt es in einem zweiten Schritt, die oft unerwünscht hohen Mengen an Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf aus dem Biogas abzutrennen. Nach einer weiteren Reinigung, die der Aufwertung des Rohbiogases dient, liegt dann Biomethan als Endprodukt vor.
Biomethan erfreut sich zunehmender Beliebtheit, denn es gilt als echter Alleskönner. Es ist besonders vielseitig einsetzbar und in Bezug auf Luftschadstoffe und Treibhausgase sehr emissionsarm.
Zwar wird bei seiner Verbrennung auch CO₂ freigesetzt. Dieses hat die Biomasse jedoch zuvor innerhalb kurzer Zeit der Atmosphäre entnommen und gebunden. Bei nachwachsenden Rohstoffen kann das zum Beispiel innerhalb von nur einer Ernteperiode erfolgen. Aus diesen Gründen gelten Biomethan und Biomethananlagen als wichtige Bestandteile einer umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Energieversorgung der Gegenwart und der Zukunft.
Für Anlagenbetreiber ist von Bedeutung, dass Biomethan-BHKW laut EEG 2023 einige entscheidende Anforderungen erfüllen müssen. Hierzu gehört unter anderem, dass das von ihnen genutzte Biomethan in Deutschland ins Gasnetz eingespeist worden sein und erzeugter Strom über das Marktprämienmodell direktvermarktet werden muss – sowie, dass die genutzten Rohstoffe bestimmte Anforderungen erfüllen müssen.
Diesen Anforderungen muss Ihr Biomethan-BHKW laut EEG 2023 genügen
Für gasförmige Brennstoffe wie Biogas und Biomethan legt das EEG 2023 eine Absenkung des sogenannten Maisdeckels, also eine Reduzierung des Einsatzes von Mais (und Getreidekorn), fest. So sah das EEG 2023 eine schrittweise Absenkung des Maisanteils ab 2024 von 40 % auf 35 % sowie ab 2026 auf 30 % vor; seit 2025 gilt für Zuschläge in den Jahren 2026 bis 2028 ein Höchstanteil von 25 %.
Auch im Segment der Förderung hat das EEG 2023 Änderungen im Gepäck. Denn seit 2023 besteht der Förderanspruch nur noch für eine Strommenge, die einer Bemessungsleistung von 10 % der installierten Leistung entspricht, rechnerisch also rund 876 Volllaststunden pro Jahr. Biomethan kommt damit vor allem in hochflexiblen Kraftwerken zum Einsatz.
Diese Randbedingungen für Biomethananlagen im EEG 2023 sollten Sie kennen
Neben den bereits genannten Kriterien gibt es noch weitere wichtige Punkte, die das EEG 2023 für Biomethananlagen festlegt. So muss eine Anlage im Vergleich zur Biomasseausschreibung kein Hocheffizienzkriterium erfüllen. Das bedeutet, dass eine Wärmenutzung nicht zwingend erforderlich ist. Dennoch ist es in der Praxis sinnvoll, eine Biomethananlage zum Beispiel in bestehende Wärmenetze zu integrieren.
Als förderberechtigt gelten laut EEG 2023 alle Biomethananlagen, die größer als 100 kWel sind und die zur Stromerzeugung ausschließlich Biomethan nutzen. Zudem gilt nach wie vor die Vorgabe, dass die Anlagen für eine Förderung in der Südregion liegen müssen.
Darüber hinaus ist es wichtig, die Anlage technisch richtig auszulegen. Abhängig von diversen Kriterien, wie zum Beispiel den Wärmesenken oder dem Pufferspeicher, kann eine beispielhafte Auslegung des BHKW-Moduls darauf abzielen, dass die erzeugte Wärmemenge entsprechend genutzt werden und der erzeugte Strom eingespeist und vermarktet werden kann. Bestandsanlagen sind mit der Neufassung des EEG 2023 nicht mehr förderberechtigt im Rahmen der Biomethanausschreibung.
Darum sollten Sie an der Ausschreibung teilnehmen
Die Anforderungen für Biomethananlagen des EEG 2023 zu erfüllen, erfordert etwas Organisation, lohnt sich aber. Denn sowohl der Flexibilitätszuschlag von 65 € pro kWel und Jahr (Stand 2023) über 20 Jahre als auch ein strommarktgeführter Betrieb können entscheidend zur Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlage beitragen. Darüber hinaus kann eine bestehende Wärmesenke zusätzliche Erlöse durch den Wärmeverkauf generieren.
Prinzipiell ist eine Biomethananlage als Business-Case in jedem bestehenden Wärmenetz oder bei ähnlichem Einsatz zu betrachten und zu untersuchen. Hier punktet das Biomethan-BHKW durch die Spitzenlast-Substitution eines bestehenden Gaskessels gleich doppelt: Es deckt effizient (und umweltschonend) sowie wirtschaftlich die Spitzenlasten auf der Wärmeseite.
Das Wichtigste zum EEG 2023 kompakt? Diese Zusammenfassung gibt Ihnen eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Punkte.
Fotoquelle Titelbild: © Stockwerk-Fotodesign/stock.adobe.com