Energiewende, Umwelt
05.04.2023

CO₂-Neutralität – was bedeutet das eigentlich?

Papierwolke mit CO₂ und nach unten zeigenden Pfeilen auf Grün

Treibhausgasneutral, CO₂-neutral oder doch lieber klimaneutral? Wenn es darum geht, was Länder, Regierungen und Unternehmen planen, um den Klimawandel zu bremsen, wimmelt es nur so von Begriffen. Oftmals synonym genutzt, meinen die Bezeichnungen rund um eine klimafreundliche Neutralität jedoch nicht das Gleiche. Welcher Begriff was beinhaltet, was CO₂-Neutralität wirklich ist und auf welchem Weg Unternehmen diese erreichen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Klima-, Treibhausgas- und CO₂-Neutralität – das steckt dahinter

Sie meinen alle etwas Ähnliches, sind jedoch nicht das Gleiche: Von CO₂-Neutralität über Treibhausgas- bis hin zu Klimaneutralität gibt Ihnen die folgende Auflistung einen Überblick, wie Sie die Begriffe ganz einfach voneinander abgrenzen können.

  • CO₂-Neutralität: Hierbei geht es um nur eine einzige Art von Emissionen, den Kohlenstoffdioxidemissionen. Ist also von CO₂-Neutralität die Rede, sind alle anderen Emissionen und Treibhausgase ausgeklammert. CO₂-neutral zu sein, heißt demnach nur, unter dem Strich (netto) kein Kohlenstoffdioxid auszustoßen.
  • Treibhausgasneutralität: Dieser Begriff schließt die Emission sämtlicher Treibhausgase ein. Möchte ein Akteur treibhausgasneutral sein, darf er Atmosphäre und Klimasystem nicht mehr durch den Ausstoß von Treibhausgasen beeinflussen. Neben CO₂ schließt das beispielsweise auch Methan, Lachgas oder Fluorkohlenwasserstoffe ein.
  • Klimaneutralität: Im Unterschied zu Treibhausgas- und CO₂-Neutralität geht Klimaneutralität noch einen Schritt weiter und bezieht sich auf alle Emissionen, die der Mensch verursacht. Neben sämtlichen Treibhausgasen ist damit auch jeder menschliche Einfluss auf das Klima gemeint, etwa durch Nutztierhaltung oder Änderungen der Landnutzung.

Würde man alle drei Begriffe bezüglich der erforderlichen Maßnahmen in eine Rangfolge bringen, so wäre CO₂-Neutralität das am engsten gefasste Ziel, gefolgt von Treibhausgasneutralität. An dritter Stelle käme die Klimaneutralität als der am weitesten gefasste Begriff. Das bedeutet: CO₂-Neutralität bezieht sich „nur“ auf die Einsparung eines einzelnen Treibhausgases, während Klimaneutralität das ganze Spektrum von „Klimaschädlingen“ anspricht.

Netto-Null- und Negativemissionen

Trotz ihrer klaren Abgrenzung werden alle drei Begriffe in den Diskursen rund um Energiewende und Klimawandel jedoch oft als gleichbedeutend genutzt, was den Begriff der CO₂-Neutralität deutlich verwässert hat. Hinzu kommt die Unterscheidung von Negativ- und Netto-Null-Emissionen, die sich ebenfalls unterschiedlich auf die Begriffe der Klima-, Treibhausgas- und CO₂-Neutralität beziehen.

  • Netto-Null-Emissionen: Dass das menschliche Handeln keinerlei Emissionen mehr verursacht, ist nahezu unmöglich. Um Treibhausgas- und/oder CO₂-Neutralität zu erlangen, müssen genauso viele Emissionen aus der Atmosphäre entfernt werden, wie zuvor in diese hineingelangt sind. Ist dieser Zustand erreicht, ist von Netto-Null-Emissionen die Rede. Netto-Null meint also, dass die Treibhausgasbilanz aller menschlichen Aktivitäten unter dem Strich bei null liegt und somit neutral ist. Beziehen sich die Netto-Null-Emissionen dabei rein auf CO₂, dann lautet der korrekte Begriff Netto-Null-CO₂-Emissionen. In diesem Fall geht es nur um CO₂-Neutralität, alle anderen Treibhausgase sind ausgeschlossen.
  • Negativemissionen: Um Netto-Null-Emissionen erreichen zu können, müssen jene Treibhausgase, die das menschliche Handeln nach Durchführung aller Reduktionsmaßnahmen weiterhin produziert, wieder aus der Atmosphäre entnommen werden. Diese entzogenen Emissionen bezeichnet man als Negativemissionen.

Für das Erreichen von Netto-Null- und Negativemissionen gibt es dabei unterschiedlichste Maßnahmen. So sind beispielsweise technische Verfahren wie die Abscheidung und unterirdische Speicherung von CO₂ (CCS) denkbar. Auch eine dauerhafte Bindung von Emissionen in natürlichen Ökosystemen wie Mooren oder Wäldern ist möglich.

Andere Länder, andere (Emissions-)Sitten

Welches Land wie viel CO₂ sowie andere Treibhausgase ausstößt, ist von Land zu Land verschieden. Je nach Zusammensetzung der Wirtschaftsaktivitäten kann CO₂ einen Großteil der Gesamtemissionen ausmachen (z. B. 90 % in Deutschland) oder einen deutlich kleineren Anteil (z. B. weniger als 50 % in Neuseeland). Abhängig davon variieren auch die Klimaziele der jeweiligen Länder. Dennoch wird der Begriff CO₂-Neutralität dabei oftmals gleichbedeutend mit Treibhausgas- und Klimaneutralität genutzt – aus Unwissenheit oder aber, um eigene Klimaziele größer erscheinen zu lassen bzw. um Minderungspflichten kleiner zu halten.

Mit der Überarbeitung des Klimaschutzgesetzes hat Deutschland sich dem Ziel verschrieben, bis 2045 klimaneutral zu sein. Das bedeutet, bis 2030 mindestens 65 % und bis 2040 mindestens 88 % weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990. Bis 2045 soll Deutschland netto treibhausgasneutral sein – womit das Ziel der Klimaneutralität streng genommen eher als Treibhausgasneutralität zu bezeichnen wäre.

In diesem Zusammenhang gilt in Deutschland seit 2021 eine CO₂-Bepreisung pro Tonne des Treibhausgases, umgesetzt über den nationalen Emissionshandel nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG). Der Preis stieg schrittweise von 25 Euro (2021) auf 55 Euro (2025) pro Tonne, für 2026 gilt ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro.

Was können Unternehmen tun, um CO₂-Neutralität zu erreichen?

Die CO₂-Bepreisung betrifft so gut wie alle Unternehmen, denn – so die Annahme der Bundesregierung – wer Kohlenstoffdioxid produziert, soll einen Nachteil davon haben, indem er dafür zahlen muss. Das heißt: Die Unternehmen, die Brennstoffe in Verkehr bringen, etwa Gas- und Heizöllieferanten, müssen entsprechende Zertifikate erwerben. Wie viele das sein müssen, richtet sich nach der Menge an CO₂, die beim Verbrennen der verkauften Brennstoffe entsteht. Die Kosten geben sie über die Brennstoffpreise weiter: Je mehr Kohlenstoffdioxid ein Unternehmen verursacht, umso mehr zahlt es also indirekt für den CO₂-Preis. Auf diese Weise hofft die Regierung, bis 2045 eine CO₂-Neutralität erreichen zu können.

Da die CO₂-Bepreisung alle Brennstoffe betrifft, bei deren Nutzung Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangt, sind etliche Unternehmen von der Bepreisung betroffen. Ob Kraftstoffe, Heizöle, Erdgas oder Flüssiggase – wer einen dieser Brennstoffe nutzt, muss seit 2021 hierfür einen zusätzlichen Kostenfaktor in Kauf nehmen. Die Emissionen durch einen CO₂-Preis rein finanziell auszugleichen, reicht allerdings nicht aus. Denn es gibt weitere Faktoren, die den ökologischen Fußabdruck eines Unternehmens beeinflussen. Ob Gebäudemanagement, Fuhrpark oder Kantinenessen, Dienstreisen oder Dokumentenmanagement – sie alle wirken sich auf die CO₂-Bilanz eines Unternehmens aus.

Fünf Ideen für das Erreichen von CO₂-Neutralität

Bevor es um konkrete Maßnahmen geht, die Unternehmen ein Stück näher an das große Ziel der CO₂-Neutralität heranbringen können, ist eine Sache ganz entscheidend: der Ist-Zustand. Denn nur, wenn ein Unternehmen weiß, wie groß sein ökologischer Fußabdruck und seine CO₂-Bilanz wirklich sind, kann es Gegenmaßnahmen ergreifen.

Und wie geht es dann weiter? Die folgenden fünf Ideen können Unternehmen auf dem Weg zur CO₂-Neutralität helfen.

1. Digitalisierungsmaßnahmen umsetzen

Muss es immer die Dienstreise sein oder reicht ein Videocall? Muss jede E-Mail ausgedruckt werden oder reicht das digitale Speichern und Abheften? Muss jede Rechnung per Post verschickt werden oder geht es auch elektronisch? Ob Dokumentenmanagement oder Mitarbeitereinsatz – gerade wenn es um Papierverbrauch, Dienstreisen und Einsatzplanung geht, lässt sich einiges an Emissionen einsparen.

2. Gebäude sanieren

Der Gebäudesektor ist nach wie vor einer der größten Emittenten. Energetische Sanierungen sowie der Bau CO₂-neutraler Gebäude können nicht nur den Energieverbrauch eines Unternehmens senken, sondern gleichzeitig auch die Emissionen signifikant herunterfahren.

3. Auf emissionsarme Energieträger setzen

Jedes Unternehmen braucht Energie in Form von Strom und Wärme. Doch Energie ist nicht gleich Energie. Um CO₂ sowie andere Emissionen einzusparen, lohnt es sich, von fossilen Brennstoffen auf emissionsarme, erneuerbare und CO₂-neutrale Energieträger wie Wind, Sonne, Biomasse oder Biogas umzusteigen.

4. Lokales Energiemanagement einführen

E-Autos statt Verbrenner, eigene Ladestationen oder die Nutzung von Smart Grids – gerade wenn es um die Reduktion von Emissionen geht, bieten Energiekonzepte, die sämtliche Energieflüsse innerhalb eines Unternehmens miteinander vernetzen, etliche Einsparpotenziale.

5. Unvermeidbare Emissionen kompensieren

„Real Zero“, also die echte, physische Verringerung der eigenen CO₂-Emissionen, zu erreichen, ist nicht für jedes Unternehmen möglich. Denn manche Emissionen sind unvermeidbar. Um hierfür einen Ausgleich zu schaffen, bietet es sich an, die eigenen Emissionen beispielsweise durch die Unterstützung von Renaturierungsmaßnahmen, Klimaschutzprojekten o. Ä. zu kompensieren. So lässt sich das Ziel der CO₂-Neutralität trotzdem erreichen.

Fotoquelle Titelbild: © NicoElNino/stock.adobe.com

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