Energas-Glossar

H-Gas

H-Gas (High Gas) ist Erdgas mit hohem Methangehalt und hohem Brennwert; L-Gas (Low Gas) enthält mehr Stickstoff und Kohlendioxid und hat einen niedrigeren Brennwert. Die Umstellung von L-Gas auf H-Gas in Deutschland ist eine bedeutende Maßnahme, die sich auf zahlreiche Haushalte und Unternehmen auswirkt. Diese Umstellung ist notwendig, weil die Förderung von L-Gas zurückgeht: Die Niederlande haben die Gasgewinnung im Groningen-Feld zum 1. Oktober 2023 eingestellt, und ab dem 1. Oktober 2029 soll kein niederländisches L-Gas mehr nach Deutschland fließen. Die Umstellung (Marktraumumstellung) läuft schrittweise bis 2030 und soll die langfristige Versorgungssicherheit mit Erdgas gewährleisten. Die wichtigsten Punkte im Überblick:

Unterschiede zwischen H-Gas und L-Gas

  • Brennwert: Der Brennwert von H-Gas liegt typischerweise bei etwa 11,5 kWh/m³, während der von L-Gas bei etwa 10 kWh/m³ liegt. Der höhere Brennwert von H-Gas bedeutet, dass es energiereicher ist.
  • Herkunft: H-Gas stammt heute vor allem aus Norwegen; hinzu kommen Importe über die Niederlande und Belgien sowie Flüssigerdgas (LNG) aus Übersee. Russisches Pipelinegas fließt seit 2022 nicht mehr nach Deutschland. L-Gas stammt hauptsächlich aus Deutschland und den Niederlanden; die Förderung nimmt in beiden Ländern ab, im niederländischen Groningen-Feld wurde sie 2023 aus Umwelt- und Sicherheitsgründen eingestellt.

Technische Anpassungen

Die unterschiedlichen Brennwerte und chemischen Zusammensetzungen von H-Gas und L-Gas erfordern spezifische technische Anpassungen bei Geräten wie Heizungen, Gasöfen und anderen gasbetriebenen Maschinen:

  • Anpassung der Brenner: Geräte, die für L-Gas ausgelegt sind, müssen möglicherweise umgerüstet oder justiert werden, um den höheren Brennwert und die andere Zusammensetzung von H-Gas effizient nutzen zu können.
  • Sicherheitsprüfungen: Vor der Umstellung ist es wichtig, dass alle gasführenden Installationen von Fachpersonal überprüft und gegebenenfalls angepasst werden, um die Sicherheit und Funktionalität zu gewährleisten.
  • Anpassung von BHKW: Auch die Gasmotoren von Blockheizkraftwerken (BHKW) müssen an die neue Gasqualität angepasst werden, zum Beispiel bei der Einstellung von Gasmischer und Zündzeitpunkt.

Umstellungsprozess

  • Kommunikation und Planung: Die betroffenen Netzbetreiber informieren die Endverbraucher frühzeitig über den Zeitplan und die notwendigen Schritte der Umstellung. Diese Kommunikation ist entscheidend, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
  • Anpassung durch den Netzbetreiber: Die Netzbetreiber führen die technische Anpassung der Geräte durch; die Kosten werden nach § 19a EnWG bundesweit auf alle Gasversorgungsnetze umgelegt.

Auswirkungen der Umstellung

  • Energieeffizienz und Kosten: Ein höherer Brennwert bedeutet weder eine höhere Energieeffizienz noch einen Kostenvorteil: Abgerechnet wird nach der Energiemenge (kWh), nicht nach dem Volumen. Die Kosten hängen von den Marktbedingungen ab.
  • Nachhaltigkeit: Die Umstellung trägt zur langfristigen Sicherung der Erdgasversorgung bei und unterstützt die Energiepolitik und Umweltziele Deutschlands.

Die Umstellung von L-Gas auf H-Gas ist ein komplexer, aber notwendiger Schritt, um die zukünftige Energieversorgung in Deutschland zu sichern und gleichzeitig die Sicherheit der Gasnutzung zu verbessern. Die rechtzeitige und umfassende Planung und Durchführung dieser Umstellung sind entscheidend, um Störungen für Verbraucher zu minimieren und die Vorteile der umgestellten Gasversorgung vollständig zu nutzen.

Siehe auch: L-Gas