Digitalisierung
10.07.2019

Digitale Landwirtschaft – das ist der Bauernhof der Zukunft

Hände halten ein Tablet mit farbiger Feldkarte über einem Acker mit Traktor

Schon 2019 schien es, als sei die Digitalisierung wirklich in allen Branchen angekommen. Allen voran geht dabei die Landwirtschaft. Tablets, Smartphones und Drohnen gehören mittlerweile zum Alltag etlicher Bauern. Landwirt zu sein, bedeutet heute etwas ganz anderes als noch vor einigen Jahrzehnten. Doch wie hat sich die landwirtschaftliche Praxis tatsächlich verändert und welche Auswirkungen hat das? Die wichtigsten Fakten rund um die digitale Landwirtschaft und Landwirtschaft 4.0 erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das steckt hinter dem Begriff Landwirtschaft 4.0

Wer einige Jahre in der Entwicklung der Landwirtschaft zurückgeht, sieht schnell: Die Landwirte gehören seit jeher zu den Vorreitern in Sachen Veränderung und Weiterentwicklung. So war die Landwirtschaft zum Beispiel eine der ersten Branchen, die GPS zur Erhebung von Daten nutzte, mit denen sich Fahrwege von Erntefahrzeugen optimieren und erhebliche Mengen an Treibstoff einsparen lassen. Und das seit etlichen Jahren.

Im Vergleich zu anderen Branchen steht die Landwirtschaft der Digitalisierung dabei offen gegenüber. Eine Studie der Rentenbank zeigte schon 2019, dass Apps und digitale Systeme zum Herdenmanagement längst nicht mehr aus dem Alltag vieler Bauern wegzudenken sind. Daran zeigt sich, dass der Wandel der Bauernhöfe in Richtung digitale Landwirtschaft bereits begonnen hat.

Kennzeichnend für die digitale Landwirtschaft und damit für das Thema Landwirtschaft 4.0 ist der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese ermöglichen eine umfassende Vernetzung verschiedenster smarter Maschinen. Die Maschinen kommunizieren miteinander und sparen dem Landwirt so viel Zeit, Geld und auch Nerven. Zudem sind sie gut für die Umwelt und begünstigen eine artgerechte Haltung von Nutztieren – Hightech macht es möglich.

Darum brauchen Landwirte den digitalen Wandel

Während ein Landwirt um das Jahr 1900 herum nur einige wenige Menschen mit seinen Erträgen versorgen musste, sind es heute im Durchschnitt weit über einhundert Menschen, deren Versorgung auf einen Landwirt entfällt. Die stetig wachsende Weltbevölkerung sorgt für eine dauerhaft steigende Nachfrage nach Produkten. So steigt die Produktion in der Landwirtschaft stärker als in vielen anderen Branchen – und damit auch der Ressourcenverbrauch. Gleichzeitig nimmt das Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu. Um verlustarme Erträge auf der einen und möglichst geringe Umweltauswirkungen auf der anderen Seite vereinen zu können, ist die digitale Landwirtschaft mit all ihren fortschrittlichen Technologien gefragt.

Anders als in anderen Industrien haben es Bauern mit lebenden pflanzlichen und tierischen Organismen zu tun, deren Entwicklung maßgeblich von äußeren Faktoren, wie zum Beispiel dem Wetter, abhängt und deswegen schwer vorherseh- und steuerbar ist. Um trotzdem produktiv, aber gleichzeitig effizient, umweltschonend, qualitativ hochwertig und nachhaltig zu arbeiten, braucht es die Technologien der Landwirtschaft 4.0. Denn richtig umgesetzt, kann die digitale Landwirtschaft helfen, Pflanzenschutzmittel und Dünger zu sparen, die Tiergesundheit zu steigern und Ressourcen zu schonen.

Landwirtschaft 4.0 – das gibt es bereits

Fest steht: Die digital unterstützte Landwirtschaftstechnik ist längst in Ackerbau und Tierhaltung angekommen. Bestimmte Applikationstechniken sorgen dafür, dass sich Dünge- und Pflanzenschutzmittel variabel dosieren lassen. Automatische Ertragskartierungen gestalten die Arbeit der Mähdrescher ebenso effizienter, wie es auch selbstlenkende Maschinen tun. Roboter entlasten Landwirte beim Melken und verschaffen ihnen wertvolle Zeit, die sie an anderer Stelle sinnvoller einsetzen können. Gleiches gilt für Roboter, die beim Füttern und Misten unterstützen. Zudem ermöglicht es die digitale Landwirtschaft, die Bauern mittels Sensoren, Datenbanken und anderen digitalen Hilfsmitteln beim alltäglichen Herdenmanagement zu unterstützen.

Auch in Bezug auf die Themen Nachwuchs- und Fachkräftemangel verspricht die digitale Landwirtschaft eine Art „Rettung“: Durch den Einsatz digitaler Technologien lassen sich Aufgaben wesentlich sinnvoller und zeiteffizienter planen sowie verteilen. So fallen die Fachkräfte, die es gibt, durch den Einsatz moderner Techniken, wie beispielsweise Roboter, nicht weg, sondern können ihre Arbeitskraft für andere wichtige Aufgaben nutzen. Auf lange Sicht macht das die Landwirtschaft wettbewerbs- und zukunftsfähig.

Digitale Landwirtschaft – die Herausforderungen

Im Zusammenhang mit den Themen Fachkräfte und Fachkräftemangel offenbart sich eine der Herausforderungen der Landwirtschaft 4.0: Ausbildung und Weiterbildung. Denn die neuen Technologien sind nicht alle selbsterklärend und wollen dennoch richtig angewendet sein. Hier kommt es vor allem auf Politik und Bildungsinstitute an, die Aus- und Weiterbildung in der Landwirtschaft zu stärken. Denn Digitalisierung setzt Qualifikation voraus und nur mit gut ausgebildeten Mitarbeitern können landwirtschaftliche Betriebe den digitalen Wandel umsetzen. So sollten digitale Technologien und ihre Anwendung ein fester Bestandteil sämtlicher Lehrpläne sein.

Hinzu kommt das große Thema Internet. Gerade in ländlichen Gegenden läuft der Breitbandausbau eher schleppend und das Netz ist oft schlecht. Zudem fehlen an vielen Orten Datenschnittstellen und die Kompatibilität genutzter Apps könnte ebenfalls besser sein. Eine engere Zusammenarbeit von Landwirten und IT-Experten könnte Abhilfe schaffen und die digitale Landwirtschaft in ihrer Umsetzung noch weiter vorantreiben.

Datenschutz in der digitalen Landwirtschaft

Wo digitale Technologien zum Einsatz kommen, fallen zwangsläufig eine Menge an Daten an. Und die wollen verwaltet, genutzt und vor allem gesichert werden. Denn auch in der Landwirtschaft sind Datenschutz und -sicherheit wichtige Themen, die in enger Verbindung mit Landwirtschaft 4.0 stehen. Dabei soll es Landwirten auf der einen Seite möglich sein, sämtliche Daten optimal für eine nachhaltige Produktion zu nutzen. Big Data ist hier das Stichwort, das zu einer noch umweltschonenderen und effizienteren Landwirtschaft führen soll. Auf der anderen Seite müssen alle diese Daten vor Missbrauch und unberechtigten Zugriffen geschützt sein. Entsprechende Techniken zur Verschlüsselung sind bereits im Einsatz. Stetig weiterentwickelt, sollen sie einen jederzeit sicheren Umgang mit Daten ermöglichen. Doch auch hier gibt es Verbesserungspotenzial.

Typisch für die digitale Landwirtschaft sind zudem die wachsende Transparenz in der Produktion sowie eine bessere Rückverfolgbarkeit der Produkte. Gerade für Lebensmittelhersteller, Händler und Verbraucher ist das entscheidend. So gehen mit Landwirtschaft 4.0 auch eine bessere Dokumentation und mehr Transparenz für alle Prozesse der gesamten Wertschöpfungskette einher – für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft ist das ein extrem wichtiger Faktor.

Nach wie vor prägt die Landwirtschaft als größter Flächennutzer den öffentlichen Raum. Dabei macht sie eindrücklich vor, wie gut sich der digitale Wandel umsetzen lässt, wenn die Bereitschaft dazu da ist.

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