Optimierung
04.10.2017

Warum sich die Flexibilisierung in Ihrem landwirtschaftlichen Betrieb lohnt

Drei hohe silberne Schornsteine auf einem Gebäude vor blauem Himmel
Hinweis: Dieser Beitrag ist vom 04.10.2017. Gesetze, Förderbedingungen und Fristen haben sich seitdem teilweise geändert – sprechen Sie uns für den aktuellen Stand gern an.

„Das rechnet sich doch nicht!“, sagen viele Betreiber von Biogasanlagen, wenn das Thema „Flexibilisierung“ im Raum steht. Sie sehen die großen Investitionen, die für ein flexibles BHKW nötig sind, und die mageren Strompreise – wie soll sich da die bedarfsorientierte Einspeisung am Spotmarkt wirklich rentieren? Oft werden Anlagen dann zwar flexibilisiert, das vorhandene Potenzial der Überbauung wird aber nicht annähernd ausgeschöpft: Betreiber entscheiden sich für eine allzu „schüchterne“ Flexibilisierung oder gar nur für die Modernisierung des bestehenden BHKW, das danach in Grundlast weiterfährt und wirtschaftlich nicht überzeugend ist.

In diesem Beitrag wollen wir Ihnen zeigen, wie es für Sie als Betreiber anders geht und warum eine große Überbauung Ihres BHKW eine sinnvolle Maßnahme und eine wichtige Investition für die Zukunft nach dem EEG-Ende ist. Lesen Sie selbst, welche Vorteile eine „mutige“ Flexibilisierung mit sich bringt:

Sie erhalten eine staatliche Förderung für Ihr flexibles BHKW

Sie müssen die nötigen Investitionen für die Flexibilisierung nicht selbst stemmen – die sogenannte Flexibilitätsprämie leistet da den wesentlichen Beitrag und refinanziert Ihr Projekt. Die Prämie erhöht sich bis zur fünffachen Überbauung, gleichzeitig sinken aber auch die spezifischen Investitionen, je größer die BHKW-Anlagen werden. Bei einer Biogasanlage mit 500 kWel können Sie mit einer Förderung von knapp 160.000 Euro jährlich bzw. 3,7 ct/kWh rechnen. Und das zehn Jahre lang. Die Flexprämie gibt Ihnen als Betreiber die Sicherheit, dass Sie Ihr (zugegebenermaßen großes) Investitionsbudget auch wieder hereinbekommen.

Doch Ihr BHKW soll nicht nur abbezahlt werden – Sie möchten damit ja auch Gewinn erwirtschaften. Und auch das wird durch die Flexprämie ermöglicht: Sie ist sozusagen die „Initialzündung“ für eine ganze Reihe weiterer Vorteile, die ein flexibilisierter Betrieb Ihrer BHKW-Anlage mit sich bringt. Die folgenden Punkte erläutern Ihnen die weiteren Vorteile der Flexibilisierung:
Sie bekommen ein neues BHKW

Die für eine „mutige“ Flexibilisierung nötige zusätzliche Leistung erfordert die zwei- bis fünffache Überbauung Ihrer bestehenden Anlage, sprich: Ein zweites BHKW muss her. Für Ihre Bestandsanlage wären jetzt vielleicht schon bald Reparaturen angefallen. Solche Kosten können Sie sich durch die Überbauung sparen, genauso wie eventuelle Nachrüstungen am alten BHKW, die von neuen Regelwerken gefordert werden.

Ihr BHKW wird effizienter

Ein modernes BHKW hat größenabhängig einen besseren Wirkungsgrad. Für Sie bedeutet eine kleinere benötigte Biogasmenge weniger Substrateinsatz sowie Einsparungen bei Lagerung, Fütterung, Gärdüngerabfuhr bis hin zum Strombedarf der Anlage. Hat beispielsweise Ihr flexibles BHKW einen um drei Prozentpunkte höheren elektrischen Nennwirkungsgrad (41,5 statt 38,5 %), lassen sich bei einer Anlage mit 500 kWel damit über 170.000 Kubikmeter Biogas und etwa 40.000 Euro Betriebskosten jährlich einsparen.

Durch die flexible Betriebsweise wird Ihre Anlage zum idealen Bestandteil des zukünftigen erneuerbaren Energiemixes: Wurde im Grundlastbetrieb das wertvolle Biogas auch dann verbrannt, wenn genug kostengünstiger Strom aus Wind und Sonne im Netz war, ist das im Spitzenlastbetrieb anders: Das BHKW ruht während der Zeit hohen Angebots aus Wind und Sonne, um zu Zeiten höheren Bedarfs mit zusätzlicher Leistung einzuspeisen. So können aus einem 550-kWel-Biogas-BHKW mit 8.700 Betriebsstunden pro Jahr leicht 1,0 bis 1,5 MWel oder mehr Spitzenlast mit nur noch 3.200 bis 4.500 Betriebsstunden werden. So hat Ihr BHKW nebenbei auch noch eine längere Lebensdauer und die spezifischen Service-Kosten sinken.

Sie generieren mit Ihrem BHKW Zusatzerlöse

Sie als Anlagenbetreiber vermarkten Ihren produzierten Strom an der Strombörse EPEX SPOT – diese Direktvermarktung ist Voraussetzung dafür, dass Sie die Flexibilitätsprämie kassieren können. Speisen Sie Ihren Strom dort kontinuierlich ein, erhalten Sie dafür den Durchschnittswert aller Stunden, und der ist auf jeden Fall geringer, als wenn Sie Ihren Strom gezielt zu Höchstpreiszeiten liefern. Ein Vergleich mit Zahlen von 2017: Der mittlere Strompreis liegt bei 3,3 ct/kWh – den kassieren Sie, wenn Sie rund um die Uhr produzieren. Verlagern Sie Ihre Einspeisung dagegen auf die wenigen teuren Stunden des Tages, können Sie weitaus attraktivere Erlöse von 6,8 oder gar 10 ct/kWh erzielen. Für eine 500-kWel-Anlage ergibt sich somit ein Potenzial von bis zu 60.000 Euro jährlich. Analysen zeigen auch in diesem Zusammenhang, dass eine einfache Verdopplung der installierten elektrischen Leistung nur geringe Zusatzerlöse an der europäischen Strombörse EPEX SPOT bringt – vielversprechender ist auch aus dieser Sicht eine stärkere Flexibilisierung mit 200 bis 400 Prozent zusätzlicher Leistung, denn das Erlöspotenzial am Spotmarkt liegt hier deutlich höher.

Sie profitieren von besserer Verfügbarkeit durch Redundanz

Ist im herkömmlichen Betrieb Ihr Biogasspeicher überfüllt (weil beispielsweise das BHKW ausfällt), wird die wertvolle Primärenergie in der Fackel vernichtet. Das passiert nach der Flexibilisierung nicht mehr: Denn dann steht durch den Zubau des zweiten BHKW immer eine zusätzliche Gasverwertung zur Verfügung. Fällt das erste BHKW aus, muss das Gas nicht abgefackelt werden, sondern wird im zweiten BHKW verarbeitet, das erste BHKW kann in aller Ruhe instand gesetzt werden. Und jedes Prozent Biogas, das nicht abgefackelt werden muss, verbessert Ihr Ergebnis.

Verluste im BHKW-Betrieb lassen sich besser kompensieren

Betriebsstörungen können immer mal wieder vorkommen – seien es Motorausfälle, Schwankungen in der Biologie oder Störungen der Anlagenmechanik. Läuft ein BHKW im Dauerbetrieb, lässt sich eine zeitweilig schwächere Leistung nicht mehr aufholen. Bei einem Flex-BHKW sieht die Sache dagegen anders aus: Da lässt sich das zu einer anderen Zeit nachholen, unterm Strich ist sogar ein verbessertes Ergebnis zu erwarten. Und: Die Höchstbemessungsleistung lässt sich im flexiblen Betrieb voll ausnutzen!

Sie sparen bei den spezifischen (Wartungs-)Kosten für Ihr BHKW

In der Regel liegen die spezifischen Wartungskosten für größere BHKW unter denen von kleineren Anlagen. Hinzu kommt, dass ein flexibilisiertes BHKW nicht rund um die Uhr läuft, sondern im Schnitt nur etwa neun bis zwölf Stunden pro Tag (3.200 bis 4.500 Betriebsstunden im Jahr) und deshalb nur etwa ein Drittel bis die Hälfte der Jahresnutzungsstunden eines BHKW im Dauerbetrieb erreicht. Wenn Sie dann nach zehn Jahren bereits an den Ersatz Ihres „Dauerläufers“ denken müssten, wird bei einer flexibilisierten Anlage vielleicht gerade einmal die erste Revision fällig (abhängig von der jeweiligen Baureihe bzw. dem BHKW-Typ und der Leistungsgröße) und sie kann ohne Probleme weiterbetrieben werden. Sie können ja auch bereits im Vorfeld die Anzahl der Betriebsstunden des zusätzlichen BHKW so auslegen, dass bis zum Ende der Restlaufzeit nach EEG-Förderung die 60.000 oder 80.000 Betriebsstunden nicht überschritten werden – so sparen Sie sich gleich heute Folgeinvestitionen in der Zukunft.

Lassen Sie uns resümieren: Die Flexibilisierung bietet viele Vorteile, die weit über den Aspekt der Flexibilitätsprämie hinausgehen. Die Prämie ist „nur“ der Grundstein, der eine ganze Reihe weiterer Vorteile auslöst. Natürlich darf man nicht vergessen, dass mit der Flexibilisierung Ihres BHKW neben den Anfangsinvestitionen noch weitere Kosten entstehen, etwa für den Stromhandel, die Fahrplanoptimierung, jeden BHKW-Start und eventuell häufigere Ölwechsel. Aber unterm Strich bleibt dann doch oft ein attraktives Plus für Sie als Betreiber. Und was schließlich der wichtigste Aspekt überhaupt sein dürfte: Nur mit einer flexiblen Anlage bleiben Sie weiterhin wettbewerbsfähig – denn für die Teilnahme an der Ausschreibung nach Ende der EEG-Vergütung ist die Flexibilisierung eine Voraussetzung, ohne die dann nichts mehr geht! Wenn Sie nach dem EEG-Ende weiterhin erfolgreich und gewinnbringend Strom in Ihrem BHKW produzieren wollen, ist eine Flexibilisierung jetzt Pflicht. Nur dann können Sie in der Anschlussförderung auch den Flexibilitätszuschlag in Anspruch nehmen. Nach dem EEG 2017 betrug er 40 €/kW installierter Leistung und Jahr für zehn Jahre; nach dem aktuellen EEG sind es 100 €/kW für zwölf Jahre, für den bereits mit der Flexibilitätsprämie geförderten Leistungsteil 50 €/kW (Stand 2026).

Aus Sicht des Jahres 2017 war die Flexibilisierung also die beste Gelegenheit, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wer sich rechtzeitig clever aufstellt, ist für das Ende der EEG-Laufzeit gerüstet. Alle Vorteile der Flexibilisierung finden Sie übrigens hier noch einmal auf einen Blick.

Erfahren Sie in unserem Beitrag über die Chancen der Kraft-Wärme-Kopplung für Ihre Biogasanlage, wie Sie im Zuge der Flexibilisierung auch Ihre Wärmeproduktion umstrukturieren und noch effizienter nutzen können!

Fotoquelle Titelbild: © Andy Ilmberger / stock.adobe.com

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