Biogas, Energiewende
01.11.2017

Welche Mehrerlöse sind mit Ihrer Biogasanlage in Zukunft möglich?

Maschinenhalle mit grünen Gasmotoren zu beiden Seiten eines Gangs

Die Chancen, mit Ihrer Biogasanlage auch und gerade in Zukunft erfolgreich zu sein, stehen tatsächlich ziemlich gut. Vor allem, wenn Sie diese flexibilisieren. Sie fragen sich, worauf diese Annahme beruht? Sie lässt sich mit einer Reihe von Fakten belegen:

Zum einen verlangen der 2023 abgeschlossene Atomausstieg und der bis spätestens 2038 geplante Kohleausstieg nach Alternativen und Kompensationen. Setzt die Politik den Kohleausstieg in den nächsten Jahren konsequent um, könnte es immer wieder zu temporärer Verknappung der Stromerzeugung kommen, sodass die Stromvermarktung immer lukrativer wird und flexibilisierte BHKW einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben.

Zum anderen ist da das wachsende, aber schwer zu prognostizierende Wind- und Sonnenenergievolumen. Je mehr die Stromversorgung aus wetterabhängigen Energiequellen stammt, umso mehr schwankt die Einspeisung ins Stromnetz. Das führt immer wieder zu Preissignalen, die Biogasanlagen zugutekommen und die ein flexibles Erzeugungsverhalten belohnen.

Und schlussendlich gibt es noch die Umstellung bei der Ausschreibung der Regelenergie. Bis 2018 erfolgte die Ausschreibung wochenweise – das machte es einem Betreiber nicht möglich, auf kurzfristige Ereignisse zu reagieren. Durch die Umstellung auf einen täglichen Turnus im Jahr 2018 wurde die Kombination aus Regelenergie und Fahrplanfahrweise erleichtert.

Zusammen betrachtet lassen all diese Punkte die Zukunft der flexibilisierten BHKW in Deutschland also durchaus positiv erscheinen. Und darüber hinaus können Sie selbst als Anlagenbetreiber mit diversen Maßnahmen noch einiges an Mehrerlösen aus Ihrer Biogasanlage herausholen.

Flexibilisieren Sie Ihr BHKW technisch und quantitativ so weit wie möglich!

Der Faktor, der den größten Einfluss auf Mehrerlöse hat: der Grad der Flexibilität Ihrer Anlage. Je flexibler Sie diese fahren, desto mehr können Sie an den Strommärkten herausholen. Natürlich bedeutet das hohe Investitionen: Für die Ausstattung mit einem großen Motor samt Trafo, einem neuen Wärmespeicher und einem ausreichend großen Gasspeicher müssen Sie tief in die Tasche greifen. Dazu kommen die für die Fahrplanfahrweise nötige Neukonfiguration der Anlage samt moderner Kommunikationstechnik sowie ein aufwendiges Genehmigungsverfahren – all das kostet Zeit, Geld und Nerven. Und natürlich birgt die Flexibilisierung auch große Herausforderungen: Angefangen beim höheren Verschleiß von Anlasser und diversen Lagern über die Gaskühlung, die man ständig im Blick haben muss, bis zur unsicheren Anzeige des Gasspeicherfüllstandes gibt es so einiges, was Sie als Anlagenbetreiber in Atem halten kann.

Dennoch werden Sie auf absehbare Zeit nur von einer mutigen Flexibilisierung im großen Stil, die sich nicht auf die doppelte Überbauung Ihrer Anlage beschränkt, profitieren. Nur damit schaffen Sie die Grundvoraussetzungen, um auch auf kurzfristige Bewegungen auf dem Strommarkt zu reagieren. Und diese hohe Flexibilisierung funktioniert nun mal nur durch das optimale Zusammenspiel von Motoren, Einspeisemanagement und Gas- bzw. Wärmespeicher.

Denken Sie über eine Kombination aus erneuerbaren Energien für Ihre Biogasanlage nach

Warum sollten Sie mit Ihrer Biogasanlage nur eingleisig fahren? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, mehrere Nutzungsvarianten miteinander zu kombinieren? Etwa Ihr Biogas mit anderen Formen erneuerbarer Energien wie Photovoltaik oder fester Biomasse zusammenspielen zu lassen? Sie könnten beispielsweise eine Photovoltaikanlage installieren und mit dem erzeugten Strom die Biogasanlage betreiben. Möglichkeiten gibt es so einige – hören Sie sich am besten in Ihrem Umkreis um, schauen Sie sich Energielösungen anderer Betriebe an, tauschen Sie sich mit anderen Energiewirten aus!

Nutzen Sie Ihr Biogas für eine CNG-Tankstelle

Eine große Chance für alle, die sich jetzt für die Zeit nach der 20-jährigen EEG-Förderung umsehen, könnte die Aufbereitung von Biogas für erdgasbetriebene Fahrzeuge sein – technisch möglich ist das bereits. Um Methan als Kraftstoff zu nutzen, wird es von Kohlenstoffdioxid und anderen Störstoffen in einer Gasaufbereitung mithilfe eines Membrantrennverfahrens getrennt und dann verdichtet. So erreicht das Biomethan Erdgasqualität und kann zur Betankung von Erdgasfahrzeugen eingesetzt werden. Dieses CNG (Compressed Natural Gas) wird rein rechnerisch allein aus Reststoffen hergestellt und ist damit umweltfreundlich, schont das Klima und war 2017 mit 1,12 Euro/kg deutlich günstiger als konventioneller Kraftstoff. Verglichen mit Diesel stoßen Biomethan-Fahrzeuge etwa 90 Prozent weniger CO₂ und 80 Prozent weniger Stickoxide aus.

Ideal wäre, Sie könnten als Anlagenbetreiber alle Ihre Nutzfahrzeuge mit selbst produziertem Biogas betanken, das aufbereitet direkt aus der Anlage in eine Zapfsäule strömt und entnommen werden kann. Erste Traktoren mit Methanantrieb gab es 2017 als Prototypen, später kamen auch Serienmodelle auf den Markt. Obendrein hat der Gesetzgeber die Steuerermäßigung für Erdgas als Kraftstoff bis Ende 2026 verlängert, seit 2024 sinkt sie allerdings schrittweise. Und auch erste Praxisbeispiele gibt es, wie etwa den „Energiehof Weitenau“ (energiehof-weitenau.de), der seine Biogasanlage überbaut und 2015 eine Pilotanlage zur Biogasaufbereitung mit eigener Tankstelle betrieben hat.

Versuchen Sie sich an einer Alternative zu Mais für Ihre Biogasanlage

Noch laufen Biogasanlagen mit Silomais am effektivsten. Allerdings gibt es den sogenannten „Maisdeckel“: Er begrenzt den Anteil von Mais und Getreidekorn in Biogasanlagen mit EEG-Zuschlag und sinkt seit 2017 schrittweise, bei Zuschlägen in den Jahren 2026 bis 2028 auf höchstens 25 Prozent. Obendrein tun sich mit dem Maisanbau noch weitere Probleme auf, Stichworte: Monokultur, Auslaugen der Böden, Verödung der Landschaft, hohe Anfälligkeit für Schädlinge, Erosionsgefahr. All das könnte über kurz oder lang die Effizienz auch Ihrer Biogasanlage bedrohen. Schon lange wird deshalb nach adäquatem und rentablem Ersatz für Mais gesucht und mit alternativen Pflanzen experimentiert.

Jetzt scheint eine perfekte Ergänzung gefunden: die „Durchwachsene Silphie“. Die Pflanze gibt es schon lange, bisher scheiterte ihr Einsatz allerdings vor allem daran, dass ihr Anbau kompliziert war und es im ersten Anbaujahr keine Ernte gab. Jetzt gibt es die Möglichkeit, die Pflanze auszusäen, statt sie mühsam einzeln zu pflanzen. Außerdem lässt sich der Ernteausfall im Etablierungsjahr mit dem kombinierten Anbau als Untersaat im Mais kompensieren. Wer einen Versuch mit der „Durchwachsenen Silphie“ startet, wird ab dem zweiten Anbaujahr mit einem ähnlich hohen Biomasseertrag und ähnlicher Gasausbeute wie beim Mais belohnt. Außerdem kann die Pflanze, einmal ausgesät, über 20 Jahre Ertrag bringen, benötigt dabei keine Bodenbearbeitung und fast keine Pflanzenschutzmittel. Zudem reduziert sie Erosionserscheinungen, leistet durch den Humusaufbau auf dem Acker einen großen Beitrag zum Klimaschutz und wird auch noch von Bienen und Wildtieren gerne aufgesucht.

Sorgen Sie für die konsequente Nutzung Ihrer produzierten Wärme

Die Wärmenutzung macht eine KWK-Anlage besonders effizient – und dadurch bietet sich Ihnen als Anlagenbetreiber eine große Chance für Zusatzerlöse. Nutzen lässt sich die produzierte Wärme auf vielen verschiedenen Wegen: etwa für den Fermenter – wenn Sie die Fermentertemperatur selbst bestimmen, ohne externe Wärme dazukaufen zu müssen, macht das Ihre Biogasanlage rentabler (und auch umweltfreundlicher). Daneben bietet es sich beispielsweise an, die Wärme in ein Nahwärmenetz einzuspeisen oder sie auch für Kältemaschinen zu nutzen, um damit etwa in Supermärkten zu kühlen oder Gebäude zu klimatisieren. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Sie in Ihrem flexibilisierten BHKW auch für einen entsprechenden Wärmespeicher – idealerweise einen Pufferspeicher – sorgen, um die Wärme wertschöpfend nutzen zu können.

In der Tat: Vielversprechende Möglichkeiten für Mehrerlöse mit Ihrem BHKW gibt es, sogar einige. Um sie ausreichend zu nutzen und mit Ihrem BHKW in eine profitable Biogas-Zukunft zu steuern, ist und bleibt aber eine Sache die Grundvoraussetzung: der Umstieg auf eine bedarfsgerechte Erzeugung. In diesem Sinne: Flexibilisieren, flexibilisieren, flexibilisieren Sie!

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