Biogas ist das Multitalent unter den Erneuerbaren. Es kann neben Strom und Wärme auch Kraftstoff für Erdgasfahrzeuge liefern, ist flexibel und je nach Bedarf einsetzbar. So weit die Theorie. In der Praxis werden all die Möglichkeiten, die Biogas bietet, momentan leider noch nicht zur Gänze ausgenutzt. Viel zu sehr wird noch am bisher gefahrenen Prinzip der Grundlast festgehalten. Dabei ist diese Fahrweise längst überholt. Eine Daseinsberechtigung mit Zukunftsperspektive – die auch politisch gewollt ist – haben mittlerweile nur noch der Spitzenlastbetrieb und der bedarfsorientierte, flexible Betrieb: Das BHKW ruht während der Zeit hohen Angebots aus Wind und Sonne, um zu Zeiten höheren Bedarfs mit zusätzlicher Leistung einzuspeisen.
Ein solches radikales Umdenken in der Biogasbranche geht allerdings nicht ohne die (weitere) Flexibilisierung. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Möglichkeiten und Vorteile Ihnen eine mutige Überbauung Ihrer Biogasanlage bringt.
Jetzt flexibilisieren, weil …
… flexibilisierte Biogasanlagen optimale Lückenfüller sind (und noch viel mehr als das!)
Die beiden wichtigsten Mitspieler in der Riege der erneuerbaren Energien sind leider ziemlich unberechenbar: Wind weht nicht konstant, die Sonne scheint nicht immer. Hier ist Biogas die optimale Ergänzung. Es ist rund um die Uhr produzierbar und in Gasspeichern lagerbar. So kann es punktgenau immer dann abgerufen werden, wenn andere erneuerbare Energien gerade nicht verfügbar sind. Durch diese Eigenschaft könnte Biogas in den kommenden Jahren, wenn der Ausstieg aus Atom- und Kohlekraft weiter voranschreitet, eine immer bedeutendere Rolle bei der Kompensation und als Alternative zu herkömmlicher Energie spielen. Mit diesem Ausstieg könnte es immer wieder zu temporärer Verknappung der Stromerzeugung und entsprechenden Preissignalen kommen – das bedeutet für Sie als Betreiber einer flexibilisierten Anlage: Um Ihren Strom rentabel zu vermarkten, müssen Sie in kurzen Zeiten, wenn die Strompreise hoch sind, auch hohe Leistungen anbieten können. Und diesen Strom können Sie dann entsprechend teurer verkaufen, denn in Zukunft werden die Erneuerbaren den Preis setzen – Biogas springt dann ein, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen. Eine flexibilisierte Biogasanlage wird in einem solchen Szenario einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben.
… flexibilisierte Biogasanlagen staatlich gefördert werden
Die Investitionen in die Flexibilisierung sind hoch, gar keine Frage. Aber Sie als Anlagenbetreiber müssen diese nicht komplett selbst stemmen – die sogenannte Flexprämie leistet da den wesentlichen Beitrag und refinanziert zum größten Teil das Mammutprojekt. Je größer die Überbauung, desto höher auch die Flexprämie (bis einschließlich der fünffachen Überbauung) und desto niedriger die spezifischen Investitionen. An einer Biogasanlage mit 500 kW Bemessungsleistung können Sie mit einer Förderung von maximal rund 160.000 Euro pro Jahr oder 3,7 ct/kWh rechnen. Und das zehn Jahre lang. Beantragen kann die Flexibilitätsprämie, wer eine bestehende Biogasanlage überbaut oder eine Bestandsanlage hat, die bauseits bereits über die nötige Flexibilität verfügt, etwa durch ein zusätzliches Blockheizkraftwerk oberhalb der Bemessungsleistung und einen ausreichenden Gasspeicher. Für flexible Neuanlagen gibt es stattdessen den Flexibilitätszuschlag.
Allerdings hat die Sache einen kleinen Haken: Die Flexprämie wird nicht unbegrenzt gewährt – was das genau bedeutet, erfahren Sie im nächsten Punkt.
… flexibilisierte Biogasanlagen sofort geplant werden müssen, um gefördert zu werden
Die Flexprämie ist eine staatliche Förderung, die begrenzt ist. Soll heißen: Wenn der sogenannte „Flexdeckel“ erreicht ist, werden keine neuen Prämien mehr ausbezahlt. Gefördert wird der Zubau bis zu einer Leistung von 1.350 MW (Stand 2018; Ende 2018 wurde der Deckel auf 1.000 MW gesenkt, im Juli 2019 war er erreicht, mit dem EEG 2021 entfiel er). Setzt sich der Zubau flexibler Leistung im Tempo von Ende 2017 fort, könnte der Flexdeckel bereits Ende 2019 erreicht sein – früher als Experten das bisher eingeschätzt haben. Das bedeutet für Sie: Wollen Sie jetzt noch eine anspruchsvolle Flexibilisierung umsetzen, müssen Sie besser heute als morgen mit der Planung und dem Genehmigungsantrag beginnen, um noch rechtzeitig fertig zu werden und die Flexprämie zu bekommen. Denn mit 12 bis 18 Monaten für Planung, Genehmigung, Störfallverordnung und Finanzierung müssen Sie auf jeden Fall rechnen.
… flexibilisierte Biogasanlagen die optimierte Direktvermarktung möglich machen
Die Strommärkte sind im Umbruch. Bisher setzte der Verbrauch den Preis. In Zukunft, wenn konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden und die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien zunimmt, werden diese den Preis stark beeinflussen.
Fakt ist: Bereits heute sind die Preise für Regelenergie stark rückläufig. Aber: Die Preisausschläge am Strom-Spotmarkt werden aufgrund der steigenden Anteile erneuerbarer Energien größer, die Stunden mit sehr hohen Preisen je MWh werden zunehmen. Das Jahr 2017 verzeichnete mit 146 Stunden die bisher höchste Anzahl von Negativpreis-Stunden, gleichzeitig aber auch viele Stunden mit Preisen von über 100 Euro je Megawattstunde. Dies eröffnet den Markt für neue Geschäftsmodelle, die auf Flexibilität basieren (müssen). Indem ein möglichst hohes Potenzial aus der Direktvermarktung erschlossen wird, lässt sich gleichzeitig die Chance auf Anschlussförderung mit dem sogenannten Flexzuschlag erhöhen. Wir sind überzeugt: Flexible, optimierte Direktvermarktung als Dienstleistung hat Zukunft!
… flexibilisierte Biogasanlagen Ihren Betrieb effizient und wettbewerbsfähig machen
Wenn Sie sich für den Schritt der Flexibilisierung entscheiden und nicht nur doppelt überbauen, sondern in größerem Stil denken, werden Sie in Zukunft für diesen mutigen Schritt belohnt werden: Je flexibler Sie Ihre Anlage fahren, desto mehr können Sie zur bedarfsgerechten Stromerzeugung beitragen und desto mehr Geld können Sie an den Strommärkten herausholen. Zudem hat ein modern flexibilisiertes BHKW größenabhängig einen besseren Wirkungsgrad – das bedeutet für Sie Einsparungen bei Substrat, Lagerung, Fütterung, Gärdüngerabfuhr und Strombedarf. Läuft Ihr BHKW im Spitzenlastbetrieb nur noch sechs bis acht Stunden statt 24 Stunden am Stück wie im Grundlastbetrieb, sinken die Betriebsstunden, was wiederum für eine längere Lebensdauer der Anlage und niedrigere spezifische Servicekosten sorgt. Haben Sie ein zweites BHKW, entspannt Sie das auch als Betreiber – Betriebsstörungen fallen beispielsweise nicht mehr so ins Gewicht, Stillstandszeiten sind effektiv gepuffert. Und: Nur mit einer flexibilisierten Anlage bleiben Sie weiterhin wettbewerbsfähig – denn für die Ausschreibung nach der EEG-Vergütung ist die Flexibilisierung eine Voraussetzung, ohne die dann nichts mehr geht! Wenn Sie nach dem EEG-Ende weiterhin erfolgreich und gewinnbringend Strom mit Ihrem BHKW produzieren wollen, kommen Sie um eine schnelle Flexibilisierung nicht herum.
… flexibilisierte Biogasanlagen einen wichtigen Teil zur erneuerbaren Wärme beitragen können
Der Anteil erneuerbarer Energien am Wärmemarkt stagniert schon seit Jahren bei rund 13 Prozent. Um die Energie- und Klimaziele zu erreichen, muss sich aber das Ausbautempo erneuerbarer Wärme versiebenfachen. Gerade Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen bieten sich an, um hier einen wichtigen Teil beizutragen. Die produzierte Wärme lässt sich vielfältig nutzen: etwa zur Beheizung Ihres Fermenters, sodass Sie keine externe Wärme zukaufen müssen und Ihr BHKW umweltfreundlicher (und rentabler) betreiben. Außerdem können Sie die Wärme in ein Nahwärmenetz einspeisen oder sie für Kältemaschinen nutzen, um damit etwa in Supermärkten zu kühlen oder Gebäude zu klimatisieren. Dies alles sind wichtige Beiträge und Maßnahmen, um den Klimaschutzplan und die Einsparung von CO₂ in den verschiedenen Branchen voranzutreiben.
Es gibt also mehr als genug Gründe, um jetzt weiter zu flexibilisieren und bestehende BHKW groß zu überbauen. Würde die Zurückhaltung vieler Anlagenbetreiber dennoch anhalten und in naher Zukunft nur wenige den Schritt in die mutige Flexibilisierung wagen, stünde die Branche bald vor großen Problemen: Dann müssten Ende der 20er-Jahre mehrere GW Biogasleistung stillgelegt werden; Investitionen von einigen Milliarden Euro wären verloren („stranded investments“). Der Mittelstand würde weiter an Boden in der Energiewende verlieren.
Dazu darf es nicht kommen, denn Biogas hat viel zu viel Potenzial, mit dem es entscheidend zur Klimawende beitragen kann. In diesem Sinne: Flexibilisieren, flexibilisieren, flexibilisieren Sie!