Ihr Projekt „BHKW-Bau“ bzw. „BHKW-Flexibilisierung“ geht in die nächste Runde. Die ersten Schritte von der Planung bis hin zum Einreichen sämtlicher Unterlagen haben Sie bereits erfolgreich hinter sich gebracht (siehe Teil 1). Was nun bis zur Fertigstellung Ihrer Biogasanlage wichtig ist und worauf Sie besonders achten sollten, erfahren Sie hier im zweiten Teil des Beitrags.
Schritt 3: Vergabeverhandlungen
Sobald die Genehmigungsunterlagen eingereicht sind und Sie auf die Erteilung der Genehmigung warten, können Sie bereits mit den Vergabeverhandlungen für Lieferung und Bau Ihrer Anlage beginnen. Klären Sie mit den infrage kommenden Firmen die Details in den Verträgen und den Lieferumfang. Je nach Art Ihres Projekts sollten Sie unter anderen die folgenden Punkte bereits jetzt klären:
- Die Frage nach dem Service
Bietet der entsprechende Hersteller auch Service an? Und wenn ja, welchen? Denn Effizienz und Wirtschaftlichkeit einer Biogasanlage hängen maßgeblich von einem guten Service ab! Ein Full-Service-Vertrag ist gerade für Flex-BHKW durchaus sinnvoll. Vergleichen Sie unbedingt die Kosten, auch wenn später der Vertrag projektspezifisch angepasst wird. Prüfen Sie auch die Versorgung im Notfall – werden für unvorhergesehene Ereignisse Servicetechniker bereitgehalten? Wie sieht es an Sonn- und Feiertagen aus? Noch ein Tipp: Achten Sie auf Transparenz – alle Servicevereinbarungen sollten so detailliert und nachvollziehbar wie möglich sein, mit genauen Liefergrenzen, einem Anlagenschema und einer Anlagenverantwortlichkeit.
- Die Abstimmung mit dem Netzbetreiber
Konfliktpotenzial bzw. eine klassische „Fehlerquelle“ bietet die Abstimmung mit dem Netzbetreiber. Übersteigt Ihre Anlage nach der Erweiterung 500 kW installierte Leistung oder 270 kW Einspeiseleistung (Stand 2026), ist für die gesamte Anlage ein Anlagenzertifikat zu erstellen, das die elektrischen Eigenschaften am Netzanschlusspunkt beschreibt. Ohne Prüfung, ob die Anlage die Anforderungen an die elektrischen Eigenschaften erfüllt, ist keine Inbetriebnahme möglich. Außerdem garantiert nur das Anlagenzertifikat den dauerhaften Netzanschluss und die dauerhafte Vergütung. Sie sollten unbedingt jetzt schon klären, was der jeweilige Netzbetreiber am Netzanschlusspunkt fordert. Wie soll die Blindleistungsregelung erfolgen? Welche Vorgaben hat der Netzbetreiber für die Grenzwerte der Spannungshaltung? Rechnen Sie für diese Abstimmung bis zu sechs Wochen ein. Wenn im Vorhinein alles abgestimmt ist, verläuft die Konformitätsprüfung umso reibungsloser, die innerhalb von sechs Monaten nach Inbetriebnahme stattfindet. Denn oft sind beim Abgleich der Planung mit der gebauten Anlage Unterlagen und Dokumente dann nicht vollständig bzw. nicht plausibel, was zu erheblichen Problemen führen kann.
- Die TA 1000-0110
Auch die TA Randbedingungen sowie ergänzende Ausführungsrichtlinien, die je nach BHKW-Hersteller variieren, sollten Sie sich ansehen. Was ist bei Bau und Betrieb der Anlage wichtig? Worauf müssen Sie als Betreiber achten? Wofür sind Sie als Kunde verantwortlich? Einige Aspekte sind natürlich nur relevant, wenn Sie Ihr BHKW selbst vor Ort einbinden, ansonsten übernimmt diese Aufgaben der Hersteller im Rahmen seiner Projektierung.
Grundsätzlich stellt die Technische Anweisung für Jenbacher Gasmotoren die technischen Mindestanforderungen dar und berücksichtigt keine geltenden lokalen Gesetze, Vorschriften oder Richtlinien, welche natürlich vorrangig sind. Einige der in der TA angeführten Konstruktionsspezifikationen (beispielsweise Mindestabstände) sind auch projektspezifisch zu prüfen.
Festgelegt in den TA Randbedingungen und unseren Ausführungsrichtlinien sind beispielsweise:
- Sie als Kunde sind dafür verantwortlich, dass bestimmte Mindestfreiräume eingehalten und Kraneinrichtungen bzw. T-Träger für Service und Wartung angebracht sind. Außerdem ist die Lüftungsanlage ein wichtiger Baustein: Während der gesamten Betriebsdauer muss eine ordnungsgemäße Belüftung von explosionsgefährdeten Zonen wie dem Maschinenraum gewährleistet sein. Das bedeutet: Es muss genügend Verbrennungsluft zur Maschine gelangen und die Strahlungswärme muss zuverlässig nach außen abgeführt werden, auch im Sommer. Dabei ist auch die Luftqualität zu beachten und an entsprechende Filter zu denken.
Um die Sicherheit beim Betrieb von Jenbacher Aggregaten zu gewährleisten, muss zusätzlich eine Gas- und Rauchwarnanlage mit akustischem Signal installiert werden. - Hinsichtlich der Lüftung empfiehlt Jenbacher (heute INNIO Group) eine drückende Lüftung, weil dies die Gefahr von Verpuffungen und Korrosion verringert und der Maschinenraum weniger verschmutzt. Bei der Auslegung sind ausreichend hohe Umgebungstemperaturen anzusetzen, außerdem müssen Sie die Oberflächenwärme des Moduls (+8 % Toleranz) und eventuell weiterer Abgaskomponenten berücksichtigen sowie die Schallanforderungen mittels eines Schallgutachtens oder der Prognose aus der Genehmigung.
- Beim Thema Abgas muss jede Komponente in der Abgasanlage für den Einsatz eines Hubkolbenmotors geeignet sein, sowohl in Bezug auf Kondensat wie auch auf gelegentlich stoßartig auftretende Druckspitzen. Abgas von Mehrmotoranlagen darf nicht zusammengeführt werden! Das Kondensat aus den Abhitzekesseln, Schalldämpfern, dem Abgassammelrohr usw. müssen Sie sammeln, Kondensatableitungen dürfen nicht zusammengeführt werden.
- Rohrleitungen in der unmittelbaren Nähe zu Jenbacher Motoren und deren Hilfsbetrieben müssen so installiert werden, dass die Zugänglichkeit nicht behindert wird. Halterungen mit Festpunktschellen am Motoraus- und -eintritt sind nötig.
- Des Weiteren müssen ausreichende Abstände an der Katkammer vorgesehen werden, um den Katalysator montieren und demontieren sowie die Katscheiben einfach wechseln zu können. Auch beim Abgaswärmetauscher muss auf Zugänglichkeit geachtet werden, um Wartung bzw. Reinigung ordnungsgemäß durchführen zu können. Überdies muss aus Gründen des Brand- und Berührungsschutzes eine entsprechende Dämmung der Leitungen bereits zur Inbetriebnahme sichergestellt sein. Die Oberflächentemperatur ist auf maximal 60 °C, bei Textilmatten auch auf etwas höhere Temperaturen bis etwa 75 °C auszulegen. Bei den Revisionsöffnungen sind Matten und TÜV-Messstutzen versetzt um 90° vorzusehen.
- Beim Thema Verkabelung und Elektroinstallation hat es sich nach unserer Erfahrung bewährt, die Leistungsverkabelung mit hochflexiblen Kabeln erfolgen zu lassen. Verschraubungen am Generator sind idealerweise nur aus Metall, Kabelschuhe sollten an Sammelschienen mit Federringen und U-Scheiben befestigt werden. Die Leistungskabel müssen vor dem Generator abgefangen werden, auf die korrekte Kabelhalterung ist außerdem zu achten.
- Die Aufstellfläche muss die statische und dynamische Belastung von Jenbacher Anlagen aufnehmen können. Sie ist entweder ein Sockel oder der Maschinenraumboden. Bezüglich der Ebenheit empfehlen wir abweichend von den derzeit gültigen Normen eine Ebenheit von 1,5 mm, gemessen über die gesamte Aufstellfläche. Sollte die Ebenheit nicht gegeben sein, kann dies mit Vergussmörtel oder Blechen korrigiert werden. Es empfiehlt sich, die Aufstellfläche mit einem Schutzanstrich gegen Öl und Wasser beständig zu machen. Viele Fließmörtelprodukte sind allerdings bereits wasser- und ölresistent, wodurch dann auf einen Schutzanstrich verzichtet werden kann.
- Auch ein täglicher Kontrollgang ist seitens der TA vorgeschrieben, wobei die relevanten Messdaten im Betriebstagebuch aufzuzeichnen sind. Zudem sind Sie als Kunde für die Einhaltung der für die Anlage geltenden Wartungsvorschriften nach Wartungsplan und die regelmäßige Inspektion der Anlage und Anlagenkomponenten verantwortlich.
Schritt 4: Baubeginn
Bei Vertragsabschluss und Auftragserteilung müssen der „Systemverantwortliche“ (also derjenige, der Bau und Inbetriebnahme der Gesamtanlage koordiniert) sowie Liefer- und Leistungsgrenzen genau definiert sein. Auch der terminliche Ablauf des Baus muss jetzt festgelegt werden. Zwischen Auftraggeber (er kann der Betreiber der Anlage sein, muss es aber nicht) und Ausführendem (der, der den Auftrag zur Ausführung der BHKW-Anlage erhalten hat) muss ein abgestimmter Terminplan erstellt werden. Eventuell muss die Ausführungsplanung dann noch einmal korrigiert werden. Ist alles geklärt, kann mit dem Bau begonnen werden.
Schritt 5: Bauabwicklung
Jetzt geht es insbesondere um die Koordinierung des fachlichen und terminlichen Ablaufs – der Systemverantwortliche verfolgt die Termine der einzelnen Arbeitsschritte. Auch die Abnahme von Komponenten im Herstellerwerk gehört zur Bauabwicklung. Parallel zur Abwicklung des Auftrags sollten die Dokumentationsunterlagen zusammengestellt werden.
Schritt 6: Inbetriebnahme
Die Inbetriebnahme besteht aus drei Phasen: Zunächst muss der Systemverantwortliche dafür sorgen, dass die Voraussetzungen zur Inbetriebnahme erfüllt werden. Ist dies gegeben, kann die Anlage in Betrieb gesetzt werden, oft erfolgt zunächst ein Probebetrieb. Anschließend gibt es die eigentliche Abnahme. Sie besteht aus der Überprüfung der Vollständigkeit vertraglich festgelegter Lieferungen und Leistungen, der Erstellung eines gemeinsamen Protokolls und der Übergabe der Dokumentation. Gut zu wissen: Das Abnahmedatum ist meist auch der Beginn der Gewährleistungsdauer. Ist alles reibungslos verlaufen, kann die Anlage dem Auftraggeber übergeben werden.
Schritt 7: Beantragung der Flexprämie
Jetzt können Sie die Flexibilitätsprämie beim Netzbetreiber geltend machen (die Anlage muss dafür im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert sein) – vorausgesetzt, Ihre Anlage erfüllt nun sämtliche technischen und rechtlichen Bedingungen, die für die Erlangung der Flexprämie nötig sind. Geprüft wird dies durch einen Umweltgutachter.
Natürlich werden Bau und Erweiterung einer Biogasanlage nie komplett nach einem allgemeingültigen Schema ablaufen – jedes Projekt erfordert eine individuelle Vorgehensweise. Dennoch haben wir Ihnen mit diesen beiden Beiträgen ein „Grundgerüst“ für Ihre BHKW-Flexibilisierung an die Hand gegeben.
Fotoquelle Titelbild: © DisobeyArt/Shutterstock.com