Sie gilt als der größte Handelsplatz für Energie in Europa: die Energiebörse European Energy Exchange, kurz EEX. Hier, an ihrem Sitz in Leipzig, findet der freie Handel mit Strom, Erdgas, Kohle und Öl sowie mit energienahen Agrar- und Frachtprodukten und Emissionsberechtigungen in Form von CO₂-Zertifikaten statt. Damit ist die EEX ein absolut entscheidender Schauplatz für den deutschen und auch den europäischen Energiemarkt. Doch wie genau funktioniert diese Energiebörse eigentlich?
Einen Überblick über die EEX und ihre Angebote für das Stromgeschäft sowie alles über die wichtigsten Fakten der Energiebörse liefert Ihnen dieser Beitrag.
Die Energiebörse EEX als Teil der Deutschen Börse – das steckt dahinter
Die Energiebörse EEX ist ein Teil der EEX Group, die weltweit an 25 Standorten vertreten ist und über 1.000 Handelsteilnehmer miteinander verbindet (Stand 2026). Sie ist eine öffentlich-rechtliche Institution und unterliegt somit dem deutschen Börsengesetz. Das bedeutet, dass sämtliche Handelsvorgänge, die an der EEX stattfinden, durch das deutsche Recht reguliert sind. Betreibergesellschaft der Energiebörse ist die EEX AG, die wiederum mehrheitlich durch die Gruppe Deutsche Börse gehalten wird.
Um die Rolle der Energiebörse EEX zu verstehen, muss man zunächst die Funktionsweise des Strommarktes kennen. Denn dieser ist der Grund, warum es eine Börse wie die EEX überhaupt gibt. Als eine Art virtueller Marktplatz, auf dem der Handel mit elektrischer Energie stattfindet, erfasst der Strommarkt sämtliche Energiemengen, die unter anderem in Kraftwerken, Onshore- und Offshore-Anlagen oder in Biogasanlagen produziert werden. Von diesem Strommarkt aus erfolgt der Verkauf des Stroms an Unternehmen, die diesen dann entweder selber verbrauchen oder an Kunden weiterverkaufen. Am Handel mit dem Strom sind dabei unterschiedlichste Marktrollen beteiligt, zu denen unter anderem auch die Energiebörse gehört.
Spotmarkt, Termingeschäft und Co. – das passiert an der Energiebörse EEX
Die Voraussetzung dafür, dass es eine Energiebörse wie die EEX überhaupt geben kann, ist ein liberaler Strommarkt. In Deutschland existiert dieser seit Ende der 1990er-Jahre. Das bedeutet, dass für den Strommarkt genau die gleichen grundlegenden Wettbewerbsbedingungen gelten, die auch für jeden anderen Markt Gültigkeit haben. Auf dieser Basis haben sich drei Möglichkeiten des Stromhandels ergeben, um Angebot und Nachfrage zu regeln sowie gleichzeitig mit Strom als Ware zu handeln:
- durch Lieferverträge
- auf dem Regelleistungsmarkt
- an der Börse
Und damit kommt die EEX ins Spiel.
Neben der Möglichkeit, an der Energiebörse EEX CO₂-Zertifikate, Kohle und Gas zu erwerben, erfolgt hier der Handel mit dem Produkt Strom. Dabei gibt es drei mögliche Wege, um mit diesem zu handeln: den Intraday-Markt, den Day-Ahead-Markt und den Terminmarkt.
1. Der Intraday-Markt
Diese Handelsform ist Teil des Spotmarktes, den seit 2009 die EPEX SPOT betreibt, eine Börse der EEX Group. Er dient einer kurzfristigen Portfoliooptimierung und ermöglicht den Handel mit Strom unter anderem für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Frankreich. Das Handelsmodell des Intraday-Marktes ist dabei der spontane Handel mit Strommengen für den laufenden Tag in Zeitspannen von Viertelstunden bis Stundenblöcken. Hierbei kaufen Börsenteilnehmer, bedingt durch einen erhöhten Bedarf, zusätzliche Strommengen ein oder verkaufen überschüssige Mengen. Der große Vorteil des Intraday-Marktes liegt darin, auch kurzfristig auf Abweichungen von Verbrauchs- oder Erzeugungsprognosen reagieren und Fahrplanabweichungen vermeiden zu können.
2. Der Day-Ahead-Markt
Der Day-Ahead-Markt, auch Auktionshandel genannt, ist ebenfalls Teil des Spotmarktes der EPEX SPOT. Dieser dreht sich rund um den Handel mit Stromlieferungen für den jeweils kommenden Tag. Für die Marktgebiete, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich und die Schweiz, gibt es pro Tag je eine Auktion, bei der die Veräußerung von Strom auf Grundlage von Auktionspreisen stattfindet; Deutschland und Österreich bilden seit Oktober 2018 getrennte Preiszonen. Dabei eröffnen die jeweiligen Gebote der Auktionen die Chance, unterschiedliche Kauf- und Verkaufsmengen simultan zu platzieren. Je nach Auktion erfolgt dies zu verschiedensten Preisen.
3. Der Terminmarkt
Hinter dem Terminmarkt verbirgt sich der Handel mit Stromlieferungen mit einem längeren Vorlauf von bis zu sechs Jahren. In diesem Zusammenhang bietet die Energiebörse für 20 Marktgebiete in ganz Europa sogenannte „Futures“ an. Diese können sich sowohl über Wochen und Monate als auch über Quartale oder ganze Jahre erstrecken. Abhängig davon, um welchen Lieferzeitraum und welche Lieferzone es beim jeweiligen Handel geht, unterscheidet der Terminmarkt zwischen
- Baseload – der Bandlieferung mit der nominierten Stromleistung in jeder Viertelstunde des Lieferzeitraums
- und Peakload – der Lieferung mit der nominierten Stromleistung an den Tagen Montag bis Freitag des Lieferzeitraums jeweils zwischen 8 und 20 Uhr
Wichtig ist: Die handelbare Mindestmenge an Strom ist 1 MW normierte Leistung. Zudem lassen sich Futures entweder als finanziell erfülltes Termingeschäft umsetzen oder aber als physische Lieferung über den Strom-Spotmarkt.
So gestalten sich Strompreise und Strommengen an der Energiebörse
Der Preis für Strom an der Energiebörse EEX bildet sich grundsätzlich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage – die sich auf dem Spotmarkt auf die physische Stromlieferung am Folgetag beziehen. Auf dem Terminmarkt hingegen beziehen sich Angebot und Nachfrage auf physische Stromlieferungen zu einem zukünftigen Zeitpunkt oder aber auf das Recht, Strom zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft zu kaufen oder zu verkaufen.
Da alle Stromanbieter an der Energiebörse EEX die gleiche Chance haben, ihren Strom zu den dort notierten Preisen zu veräußern, gilt der Preis für Strom an der EEX als Referenzpreis für den Strommarkt. Das bedeutet: In der Regel orientieren sich alle Strompreise daran. Das Handelsvolumen von Strom lag in der EEX Group 2025 bei 917,5 TWh am Spotmarkt der EPEX SPOT und bei rund 9.330 TWh am Terminmarkt. Zum Vergleich: Im selben Jahr lag der (Brutto-)Stromverbrauch in Deutschland bei rund 529 TWh.
So wichtig und doch in der Kritik
Dass die Energiebörse EEX eine tragende Rolle für den gesamten Strommarkt spielt, steht außer Frage. Dennoch macht sie das nicht unantastbar. So hat es in der Vergangenheit oftmals Kritik bezüglich der Transparenz des Stromhandels an der Börse gegeben. Ursache dafür war, dass die Namen von Käufern und Verkäufern lange nicht öffentlich einsehbar waren – und das, obwohl die Energiebörse wie jedes andere Unternehmen aus der Energiebranche dazu verpflichtet ist, sämtliche (Insider-)Informationen umgehend zu veröffentlichen.
Mangelnde Transparenz war damit ein Vorwurf, der immer wieder laut wurde und die Energiebörse EEX letztendlich dazu gebracht hat, eine sogenannte EEX-Transparenzplattform ins Leben zu rufen. Auf dieser finden Interessierte seit einigen Jahren alle marktrelevanten Stromerzeugungs- und Stromverbrauchsdaten. Ziel ist es, die Transparenz auf dem Großhandelsmarkt für Strom zu erhöhen und gesetzliche Veröffentlichungspflichten der Branche zu erfüllen und freiwillige Veröffentlichungen zu ermöglichen.