Die Anzahl von Biogasanlagen in Deutschland ist auf einem hohen Niveau. Damit stellt sich eine besondere Herausforderung: die Lagerung und Verwertung der Gärreste. Denn wo Biogas produziert wird, fallen Gärreste bzw. Gärprodukte an. Weil diese nicht „einfach so“ in die Umwelt gelangen dürfen, erfordern sie eine fachgerechte Lagerung. Damit dies gegeben ist, braucht jede Biogasanlage ein Gärrestlager. Doch Gärrestlager ist nicht gleich Gärrestlager.
Was Gärreste überhaupt sind, was es mit dem Begriff „Gärprodukt“ auf sich hat und worauf Sie bei der Installation eines Gärrestlagers zwingend achten sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Das Gärrestlager – was genau ist das?
Biogas entsteht bei der anaeroben Zersetzung von Biomasse durch Mikroorganismen. Dieser Vorgang findet im Fermenter der Biogasanlage statt. Während des Zersetzungsprozesses werden jedoch nicht alle Bestandteile der Biomasse in Biogas umgewandelt. So bleiben immer einige Reste übrig, die sogenannten Gärreste. Oftmals werden diese auch als Gärprodukt bezeichnet, sind sie doch keine Reste im eigentlichen Sinne. Denn das, was bei der Herstellung von Biogas übrig bleibt, ist weniger Rest als vielmehr ein wertvolles Produkt. So lassen sich Gärprodukte sowohl in der Landwirtschaft als auch im Garten- und Landschaftsbau und in Privatgärten sehr gewinnbringend einsetzen, sind sie doch ein hochwertiges und an Nährstoffen und humusbildender organischer Substanz reiches Düngemittel. Gärreste bzw. Gärprodukte gibt es sowohl in fester als auch in flüssiger Form. Ist das Biogas fertig, stellt sich die Frage: Wohin mit den Resten? Die Antwort liefert das Gärrestlager.
Da aus den Gärresten immer noch Methan freigesetzt werden kann, verlangte bereits das EEG 2012 für neue Biogasanlagen ein gasdicht abgedecktes Gärrestlager, in dem die Gärreste insgesamt mindestens 150 Tage im gasdichten System verweilen. Wie viel Lagerkapazität vorhanden sein muss, regelt § 12 der Düngeverordnung (DüV): Für flüssige Gärreste sind es mindestens sechs Monate, für Betriebe ohne eigene Ausbringungsflächen oder mit mehr als drei Großvieheinheiten je Hektar neun Monate (Stand 2026). Denn Gärreste dürfen nicht zu jeder Jahreszeit auf die Felder gebracht werden. Bei der Lagerung sollten Gärreste immer abgedeckt sein, um ausströmende Gerüche zu minimieren. Denn wenn es um die Akzeptanz von Biogasanlagen in der Gesellschaft geht, sind mögliche Gerüche nach wie vor ein Argument von Biogasgegnern gegen den Ausbau von Anlagen.
Das Besondere an Gärresten ist, dass sie auf der einen Seite zwar schädlich für das Grundwasser sein können, auf der anderen jedoch sehr nützlich für die Landwirtschaft. Denn wegen ihres hohen Nährstoffgehalts lässt sich aus den Resten besonders hochwertiger, ökologisch wertvoller Dünger herstellen. Daher ist es, zusätzlich zu den rechtlichen Vorgaben, sehr sinnvoll, die Gärreste vernünftig in einem Gärrestlager aufzubewahren.
Diese Arten von Gärresten und Gärrestlagern gibt es
Die Konsistenz der Gärreste hängt vor allem vom Fermentationsverfahren ab.
- Flüssige Gärreste entstehen als Nebenprodukt der Nassfermentation. Bei dieser werden feuchte Substrate wie zum Beispiel Gülle, Speisereste oder Klärschlamm vergoren.
- Feste Gärreste können sowohl bei der Trocken- als auch bei der Nassfermentation entstehen. Hierbei werden hauptsächlich stapelbare Substrate wie Energiepflanzen, Festmist oder Grüngut vergoren.
Da einige Inhaltsstoffe der Gärreste – sollten sie ins Grundwasser gelangen – der Umwelt schaden, müssen die Gärreste fachgerecht gelagert werden. Dabei gibt es mit Hoch- oder Tiefbehältern aus Beton, Hochbehältern aus Stahl oder Lagunen mit Folienabdichtung zum Erdreich verschiedene Arten von Gärrestlagern für die ebenso verschiedenen Gärreste.
Flüssige Gärreste
Flüssige Gärreste lassen sich zum Beispiel in einem Erdbecken, in zylinderförmigen oder aber in rechteckigen Behältern lagern. Die am häufigsten verwendete Form sind stehende, runde Behälter, die einen ähnlichen Aufbau wie ein Fermenter haben. Für Gärrestlager von flüssigen Resten gibt es auch Modelle mit einem Rührwerk, meist einem Tauchmotorrührwerk, die sich zur Homogenisierung nutzen lassen. Bei allen Varianten ist es wichtig, dass sie mit einer Folie abgedeckt werden, um das weiterhin entstehende Biogas aufzufangen. Ein positiver Nebeneffekt der Folienabdeckung: Sie reduziert Gerüche automatisch und verhindert den Verlust von Nährstoffen.
Feste Gärreste
Für feste Gärreste gibt es drei Möglichkeiten, ein Gärrestlager zu errichten. So lassen sich die Reste entweder auf einer Fläche im Freien, in Hallen oder in Fahrsilos lagern. Wer sich für die Variante im Freien entscheidet, sollte die Gärreste auf jeden Fall mit einer Plane abdecken. Das verhindert, dass Regenwasser die Fermentationsrückstände ins Grundwasser spült. Außerdem befinden sich immer noch abbaubare organische Stoffe in den Gärresten, aus denen sich weiteres Biogas gewinnen lässt. Bei festen Gärresten ist zudem besonders wichtig zu wissen, dass aus ihnen zusätzliche flüssige Reste austreten können. Auch diese müssen aufgefangen und zurück in den Fermenter geführt werden, weil sie auf keinen Fall ins Grundwasser gelangen dürfen.
Diese Vorteile bringen Gärreste mit
Der große Vorteil von Gärresten sind ihre optimalen Eigenschaften für einen Einsatz als landwirtschaftlicher Dünger. Im Unterschied zu Gülle können sie dabei mit einer ganz entscheidenden Sache punkten: Gärreste riechen deutlich weniger intensiv als Gülle, was ein echtes Plus in Sachen Geruchsbelästigung ist.
Bei der Entstehung der Gärreste werden zudem viele Pathogene, also Krankheitserreger, abgetötet. Dadurch findet bereits eine gewisse Hygienisierung statt; je nach Ausgangsstoff, etwa bei Bioabfällen, schreibt die Bioabfallverordnung jedoch eine zusätzliche Hygienisierung vor. Durch Separation oder Trocknung (z. B. mit BHKW-Abwärme) verbessert sich zudem die Transportfähigkeit der Gärreste, was ebenfalls ein Vorteil für ihre Nutzung als Dünger ist. Landwirte, die in den Gärresthandel eintreten, können darüber hinaus verschiedene Siegel für ihre Gärreste erwerben, was deren Nutzung und Vertrieb wesentlich vereinfacht.
Ein Gärrestlager planen – darauf sollten Sie achten
Abschließend noch einige Hinweise für die Planung eines Gärrestlagers:
Der Bau einer Biogasanlage ist immer eine Entscheidung für die Zukunft. Und gerade das Gärrestlager sollte gut geplant und überlegt sein. Denn die rechtlichen Vorgaben zu den Lagerzeiten ändern sich immer wieder. Daher sollte man sicherstellen, dass es nicht nach einigen Jahren zu einem Platzproblem kommt, weil zu viele Reste für die vorhandene Fläche anfallen. Eine durch zu knappe Planung nötig gewordene Erweiterung kann sehr teuer werden.
Ist die Entscheidung für Größe und Bauart des Gärrestlagers gefallen, gibt es noch einige weitere Punkte, die man beim Errichten des Gärrestlagers nicht vergessen sollte. So muss jedes Gärrestlager standsicher und dauerhaft dicht sein. Elastisch abgedichtete Fugen sind ebenfalls ein Muss. Wenn es notwendig ist, sollte das Lager auf jeden Fall auch gegen Auftrieb gesichert sein. Zudem muss es schnell, sicher und zuverlässig kontrollierbar sein. Gleiches gilt für mögliche Reparaturen. Auch diese sollten sich leicht erledigen lassen – was bereits bei der Anlagenplanung bedacht werden kann.
Bei einem Erdbecken ist zudem darauf zu achten, dass sich dieses nicht in einem Wasserschutzgebiet befindet und dass Befüllung sowie Entleerung von oben stattfinden können. Ein Lager für feste Gärreste muss aus wasserundurchlässigem Beton gebaut sein, da kein Sickersaft austreten darf. Diese muss zwingend in einer Grube gesammelt werden.
Wer sehr große Gärrestlager für neun Monate Lagerkapazität und damit zusammenhängend auch großvolumige Gasspeicher baut, muss zudem die Vorgaben der 12. BImSchV und die darin festgelegte Mengenschwelle von 10.000 kg vorhandener Gasmasse beachten – ansonsten drohen dem Anlagenbetreiber im Schadensfall schwerwiegende finanzielle Folgen.
Fotoquelle Titelbild: © Anton Baumann / Kögelhof Mochenwangen