Digitalisierung
21.02.2018

Die Zukunft der Landwirtschaft – wie sieht der Bauernhof von morgen aus?

Mann mit Tablet auf einem Feld, dahinter eine Drohne, ein Traktor und Silos

Nicht nur die Industrie wird durch moderne Informations- und Kommunikationstechnik gerade radikal verändert – in der Landwirtschaft geht die Entwicklung in die gleiche Richtung. Die Zeiten, in denen man als Landwirt Kühe noch von Hand gemolken hat und täglich auf die Felder ausgefahren ist, nur um die Beschaffenheit der Böden zu kontrollieren, sind ein für alle Mal vorbei. Statt bei den Tieren halten Landwirte sich vermehrt im Büro auf, ohne Smartphone in der Tasche und Tablet im Traktor geht inzwischen nichts mehr. „Landwirtschaft 4.0“ ist der Megatrend im Agrarwesen, Digitalisierung das Schlagwort der Stunde.

Digital Farming heißt die Zukunft – was ist das?

Befasst man sich mit der Frage, wie es in den nächsten Jahren mit der Landwirtschaft weitergehen wird, stößt man immer wieder auf den Begriff des „Digital Farming“ – der „digitalen Landwirtschaft“. Schauen wir uns zunächst den Begriff „Digitalisierung“ an. Er bedeutet, dass analoge Daten oder Werte in ein digital nutzbares Format umgewandelt und gespeichert werden. Beim „Digital Farming“ geht es nun darum, die landwirtschaftliche Produktion zunehmend mit digitalen Technologien zu verknüpfen mit dem Ziel, den Bauernhof langfristig zu automatisieren.

Begonnen hat die digitale Zukunft auf den Bauernhöfen in Deutschland indessen bereits. Die Landwirtschaft ist sogar weiter digitalisiert als manch andere Branche: So waren Landwirte die Vorreiter bei der Nutzung von GPS-Daten, wodurch sich etwa der Fahrweg von Erntefahrzeugen optimieren und Treibstoff einsparen lässt. Oder man denke an selbstfahrende Traktoren – diese sind auf dem Feld bereits seit Längerem Realität, im Straßenverkehr dagegen bei Weitem noch nicht. Auch Sensoren an den Traktoren, die Dünger und Pflanzenschutzmittel präzise am Bedarf der Pflanzen ausrichten und dosieren, sind im Ackerbau schon realisiert.

Die Viehhaltung macht sich Melkautomaten, Fütterungssysteme, die sich auf jede einzelne Kuh individuell einstellen, oder Stallroboter, die das Ausmisten übernehmen, zunutze. Sogar Geräte mit Sensoren, die die Inhaltsstoffe der Milch und den Gesundheitszustand der Kühe analysieren und direkt melden, gibt es bereits.

Und auch auf den Betrieb von Biogasanlagen, den viele Landwirte als weiteres Standbein nutzen, hat die Digitalisierung Einfluss: Beispielsweise sind inzwischen Fernwartung und Ferndiagnose möglich, vorausschauende Analysetools errechnen und empfehlen den nächsten Termin, um etwa Zündkerzen frühzeitig auszuwechseln, damit Schäden an den Maschinen von vornherein verhindert werden.

Wie kann man sich die Zukunft der Landwirtschaft konkret vorstellen?

Keine allzu ferne Zukunftsmusik mehr ist Augmented Reality, mit der sich per Smartphone oder Tablet und entsprechender App tiefere Einblicke etwa in die verschiedenen Schichten eines Ackers gewinnen lassen. Auch sogenannte „Smart Glasses“ – Brillen mit eingebauter Kamera – könnten in Zukunft zum Einsatz kommen, um beispielsweise Krankheiten von Pflanzen zu erkennen. Auf vielen Bauernhöfen könnte eine flexibilisierte Biogasanlage stehen. Biogasanlagen sind heute schon ein wesentlicher Teil der Stromversorgung in Deutschland. Experten sehen in flexibilisierten Biogasanlagen zudem einen Schlüsselfaktor der Energiewende und eine effiziente Maßnahme, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.

Auch Online-Plattformen, auf denen sich ländliche Regionen verbinden – sogenannte „digitale Dörfer“ – wird es immer mehr geben. Überhaupt geht der Trend zu einer starken Vernetzung zwischen verschiedenen Prozessen und deren Akteuren. So werden Landwirte, IT-Dienstleister und Landtechnik-Hersteller immer stärker miteinander vernetzt, um Informationen auszutauschen und Hand in Hand zu arbeiten.

Laut einer Befragung des IT-Branchenverbandes Bitkom setzten 2024 bereits 69 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland GPS-gesteuerte Landmaschinen ein. Experten sind sich einig, dass die Bedeutung der Digitalisierung noch weiter zunehmen wird. Schätzungen zufolge sollte das Wertschöpfungspotenzial in der Landwirtschaft bis 2025 durch den Einsatz mobiler Geräte und die Vernetzung der Landmaschinen um knapp drei Milliarden Euro steigen.

Wo liegen die Risiken einer digitalisierten Landwirtschaft?

Die technische Weiterentwicklung ist Segen und Fluch zugleich. Wie werden sich die bisherigen Tätigkeiten durch immer mehr Computer und Technik verändern? Woher kommen die Fachkräfte, die diesen veränderten Jobs gewachsen sind? Es herrscht ohnehin schon Nachwuchsmangel, die Landwirte selbst wissen bereits nicht mehr, wie sie die immer größeren Betriebe managen sollen. Die Digitalisierung muss deshalb helfen, die Betriebe effizienter zu machen und Kosten zu senken. Außerdem müssen sich Landwirte verstärkt mit der digitalen Welt auseinandersetzen, um die immer komplexer werdenden Anforderungen zu meistern.

Als weiteres großes Risiko, das die Digitalisierung mit sich bringt, sehen deutsche Landwirte mangelnde Datensicherheit. Wer die Daten eines landwirtschaftlichen Betriebes kennt, kann gerade in vor- oder nachgelagerten Bereichen wie etwa der Milchindustrie in Preisverhandlungen verstärkt Druck ausüben. Auch die behördliche Kontrolle könnte durch „Big Data“ zunehmen – das Stichwort „gläserner Betrieb“ geistert vielerorten durch die Branche.

Schließlich ist auch die Betriebssicherheit ein Aspekt, der zum Risiko werden kann. Solange das System reibungslos läuft, ist alles bestens. Gibt es aber technische Störungen wie etwa einen Internetausfall oder einen Hackerangriff, wird alles lahmgelegt. Dann kann die Abhängigkeit von der Technik eventuell zum Verhängnis werden.
Für all diese Aspekte rund um Datensicherheit und -hoheit müssen Lösungen, auch seitens der Politik, gefunden werden.

Welche Chancen ergeben sich in Zukunft durch die digitalisierte Landwirtschaft?

Den eben erwähnten Risiken stehen deutliche Vorteile gegenüber. Landwirte werden künftig viel Material einsparen, zum Beispiel durch Sensor- und Messtechnik auf dem Feld, mit deren Hilfe sich Dünger und Pflanzenschutzmittel genau dosieren lassen. Kombinierte Wetter- und Maschinendaten ermöglichen präzise Bodenbearbeitung. Drohnen lassen beispielsweise Boden-Monitoring oder Wildrettung mithilfe von Infraroterkennung zu. „Precision Farming“ wird also immer weiter ausgebaut werden und trägt zu einer besseren Nährstoffversorgung, Verringerung von Ernteeinbußen, mehr Ertrag und schlussendlich auch zum Pflanzenschutz bei. Laut einer EU-Studie könnte man in Zukunft mit der Digitalisierung auf 80 Prozent der Herbizide verzichten – etwa auch durch einen Agrarroboter, der den Traktor ablöst und Unkraut sogar ganz ohne Pflanzenschutzmittel, rein mechanisch aus dem Boden holt. Dies schont die Umwelt und reduziert gleichzeitig auch die Kosten im Ackerbau. Unterm Strich lässt sich also die Wirtschaftlichkeit in Zukunft deutlich verbessern.

Auch auf die Tierhaltung wird die Digitalisierung positiven Einfluss nehmen. Automatisierte Systeme gibt es schon zuhauf im Stall, in Zukunft werden immer mehr Arbeiten automatisiert – nicht zuletzt zum Wohl der Tiere. Beim „Precision Livestock Farming“ können Sensoren Bewegungen und Vokalisation von Kühen und Schweinen messen. Diese Daten können dann direkt an das Handy des Landwirts weitergegeben werden, der im Bedarfsfall sofort auf ein außergewöhnliches Verhalten reagieren und eventuelle Krankheiten frühzeitig erkennen kann. Somit lässt sich auch die Gabe von Antibiotika und anderen Arzneimitteln reduzieren.

Landwirtschaft hat auch viel mit dem Umschlag großer Warenmengen und demzufolge auch mit Logistik zu tun. Indem Stoff- und Transportströme digital abgebildet werden, lassen diese sich optimieren und effizienter gestalten. Das reduziert auf Dauer den Verkehr und damit auch die CO₂-Emissionen – ein weiterer Pluspunkt für die Umwelt.

Für den Landwirt selbst bedeutet die Digitalisierung mehr Lebensqualität. Viele körperlich anstrengende Tätigkeiten werden ihm abgenommen. Vieles kann gesteuert werden, ohne dass er selbst vor Ort sein muss. Buchhaltungsprogramme und Datenspeicherung in der Cloud erleichtern Prozessabläufe, Arbeitsplanung und die Datenauswertung. „Smart Farming“ wird die Betriebsführung in Zukunft weiter deutlich erleichtern.

Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in der Digitalisierung

Aufhalten lässt sich der technische Fortschritt nicht. Ähnlich wie beim Internet, auf das heute auch keiner mehr verzichten kann, wird es in Zukunft nicht mehr ohne die Digitalisierung gehen. Sie verspricht mehr Effizienz und bessere Erträge in Ackerbau und Viehzucht, Arbeitserleichterungen für die Landwirte, weniger Umweltbelastung durch nachhaltigen Ressourceneinsatz und tatsächlich auch gesündere Lebensmittel dank verringertem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf dem Acker und reduziertem Arzneimitteleinsatz in der Tierzucht – das sind überzeugende Argumente für die Landwirtschaft 4.0.

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