Wenn es mal wieder nach faulen Eiern riecht … könnte das an Ihrer Biogasanlage liegen. Denn bei der Herstellung von Biogas gibt es etliche potenzielle Geruchsquellen, deren Duftmarke nicht immer angenehm ist. Ein Grund zur Panik ist das nicht, lassen sich die meisten dieser Geruchsquellen doch mit einfachen Maßnahmen im Zaum halten. Dennoch gilt es für Anlagenbetreiber, Geruchsbelästigungen zu vermeiden und bestimmte gesetzliche Grenzwerte von Geruchsemissionen einzuhalten. Denn nur so kommt es nicht zu Beschwerden und Klagen aus der Nachbarschaft oder aber zu möglichen Gesundheitsrisiken.
Welche Maßnahmen und technischen Hilfsmittel Ihnen bei der Geruchsminderung helfen und warum überhaupt in einer Biogasanlage Geruch entsteht, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Geruch bei Biogasanlagen: Grenzwerte lassen sich gar nicht so einfach festlegen
Das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) legt fest, wie Betreiber einer Biogasanlage mit deren Geruch umzugehen haben. So steht in § 22 sinngemäß, dass Betreiber nicht genehmigungsbedürftiger Anlagen sämtliche durch einen Geruch bedingte schädliche Umwelteinwirkungen, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind, verhindern müssen; für genehmigungsbedürftige Anlagen gilt § 5. Umwelteinwirkungen, die sich nicht durch technische Hilfsmittel vermeiden lassen, gilt es, auf ein Mindestmaß zu beschränken.
Konkretisiert wird im BImSchG jedoch nicht, ab wann Geruchsemissionen tatsächlich als schädlich gelten. Denn Fakt ist: Die Bewertung von Geruchsbelästigung ist gar nicht so einfach. „Ob eine Geruchsbelästigung als erheblich und damit als schädlich Umwelteinwirkung anzusehen ist, hängt u. a. von der Geruchsqualität, der Hedonik, der Intensität, der tages- und jahreszeitlichen Verteilung der Einwirkung sowie der Nutzung des Gebietes ab“, schreibt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Daher gab lange allein die Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) ein Bewertungskonzept sowie Immissionswerte für Gerüche vor; seit dem 1. Dezember 2021 ist dieses Konzept als Anhang 7 Teil der TA Luft.
Das sind die häufigsten Geruchsquellen in Biogasanlagen
Ob Güllelager oder Fermenter, Nachgärbehälter oder Gärgut – wer Biogas produziert, schafft damit viele verschiedene potenzielle Geruchsquellen. Bei der Herstellung von Biogas arbeiten Bakterien ohne Sauerstoff. Wie das stinken kann, weiß jeder, der einmal an einem „umgekippten“ Gewässer vorbeigelaufen ist. Sobald bei einem biologischen Abbauprozess nämlich der Sauerstoff fehlt, nehmen anaerobe Fäulnisgase überhand und es stinkt. Das ist der Grund, warum auch in einer Biogasanlage Geruch entstehen kann.
Hinzu kommt, dass nicht jede Biogasanlage reine Biomasse, wie zum Beispiel Grünschnitt oder Energiepflanzen, verwendet. So gibt es etliche Anlagen, die Biogas aus Gülle (welche per se eine Geruchsquelle sein kann) oder aber aus industriellen Abfällen herstellen. Gerade in Letzteren sind oft sehr proteinreiche Substrate vorhanden, deren Vergärung zu einem hohen Anteil von Schwefelwasserstoff (H2S) im Endprodukt Biogas führen kann. Und schon entstehen Gerüche.
Darum können sich Geruchsemissionen zu einem Problem entwickeln
Sie fragen sich, wie Schwefelwasserstoff riecht? Tatsächlich nach faulen Eiern. Dass das unangenehm ist, steht außer Frage. Doch wie stark sich Menschen von diesen Gerüchen beeinträchtigt fühlen, ist ganz individuell. Denn das Geruchsempfinden ist immer subjektiv. Während manch einer das „Parfum“ von Gülle oder Fäulnis einfach hinnimmt, kann der gleiche Geruch bei einem anderen zu echten Krankheitsbildern und pathologischen Symptomen führen. Rein evolutionär betrachtet, alarmieren Geruchsreize den Körper nämlich zur Flucht oder zum Kampf. Denn Gestank bedeutet Gefahr. Das wiederum setzt den menschlichen Organismus unter Stress, was auf Dauer krank machen kann.
Für den Anlagenbetreiber kann das schwere Folgen haben. Nicht selten gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen Beschwerden wegen Geruchsbelästigung vor Gericht gelandet sind. Besser ist deswegen: Sobald die Anlage riecht, sollten Sie als Betreiber sofort handeln. Welche Maßnahmen Ihnen dabei helfen können, zeigt die folgende Auflistung:
1. Kommunizieren und Aufklärungsarbeit leisten
Die Biogasanlage verströmt Geruch? Das Beste, was Sie jetzt tun können, ist, die Nachbarschaft und sämtliche Anwohner zu informieren. Klären Sie auf, woher der Geruch kommt, und machen Sie deutlich, wie Sie das Problem in den Griff bekommen. Auch wichtig in diesem Zusammenhang: Nehmen Sie die Ängste und Bedenken anderer ernst. Eine offene Kommunikation ist meist die beste Strategie und der wichtigste Schritt, wenn es um die Geruchsbekämpfung geht.
2. Richtiger Umgang mit Gärsubstraten und Gärgut
Ganz gleich ob Transport, Anlieferung oder Lagerung – wer Gerüche vermeiden will, sollte viel Wert auf den adäquaten Umgang mit den Gärsubstraten legen. Dazu gehören: kurze Transportwege außerhalb von Wohngebieten, Transport in geschlossenen Behältern bzw. Gebinden, kürzere Lagerzeiten dank schneller Substratverarbeitung. Gleiches gilt auch für das nach der Biogasherstellung anfallende Gärgut.
Zudem sollten Lagerungs- oder Silagesickerwasser immer in geschlossene Auffangbehälter oder aber direkt in die Vorgrube bzw. den Fermenter laufen.
3. Geruchsdichte Deckel nutzen
Sowohl bei der Hygienisierung und in der Vorgrube als auch bei der Lagerung des Gärguts kann die Biogasanlage Geruch verströmen. Hier bietet es sich an, auf entsprechende Abdeckungen zu setzen, die ein Austreten des Geruchs verhindern.
4. Für ausreichend große Gasspeicher sorgen
Auch im Fermenter sowie im Nachgärbehälter können Gerüche entstehen. Hier schafft eine ausreichend große Dimensionierung der Gasspeicher Abhilfe. Denn das hilft, mögliche Schwankungen bei der Gasproduktion sowie bei der Gasabnahme auszugleichen. Zudem ist es von Vorteil, einen Reservemotor oder eine Gasfackel zu haben, die einspringen können, sollte der BHKW-Motor einmal ausfallen. Außerdem sollte Letzterer optimal auf die produzierte Biogasmenge und auf die Zusammensetzung des Gases ausgelegt sein.
5. Vorausschauende Anlagenplanung
Geht es darum, den in einer Biogasanlage entstehenden Geruch zu vermeiden, sollten Anlagenbetreiber dies bereits lange vor Inbetriebnahme der Anlage berücksichtigen. Denn die Standortwahl kann in Bezug auf die Geruchsbelästigung eine große Rolle spielen. Je größer die Entfernung zu Wohngebieten oder zu einzelnen Nachbarn ist, desto geringer ist das Beschwerderisiko. Außerdem gilt auch hier: Wer Bürger und Nachbarn frühzeitig in die Anlagenplanung einbindet und mögliche Befürchtungen ernst nimmt, kann bereits im Vorfeld manche Sorgen und Ängste ausräumen. Zudem bietet es sich an, in diesem Zusammenhang sämtliche Vorteile einer Biogasanlage sowie ihre Rolle im Hinblick auf die Energiewende klar zu kommunizieren. So fühlen sich Bürger und Nachbarn gehört und stehen dem Thema direkt positiver gegenüber.